M-Payment, M-Commerce, M-Marketing

Apple plant Einstieg in NFC und Mobiles Bezahlen

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Die Einstellung des NFC-Experten (Near Field Communications) Benjamin Vigier als Produkt Manager Mobile Commerce deutet an, dass Apple das iPhone 5 mit Hilfe der Nahfunktechnik zu einer mobilen Geldbörse machen könnte.

"Apple könnte NFC endlich massentauglich machen", kommentierte Bob Egan, Tower-Group-Analyst und NFC-Experte, in einem Tweet die nun bekannt gewordene Einstellung von Vigier. Egan wies gleichzeitig darauf hin, dass der Nahfunktechnik zum Durchbruch bislang das Marketing gefehlt habe. Die Jobs-Company wiederum sei ein "magisches Marketing-Powerhouse".

Bevor Vigier im Juli zu Apple wechselte, war er als Produktmanager für mobile Geldbörsen, M-Payment und NFC bei mFoundry tätig. Dort konzipierte und verwaltete er unter anderem für Starbucks ein mobiles, Barcode-basierendes Bezahlsystem auf dem iPhone sowie die Anwendung Paypal Mobile, die auf Blackberrys und einige andere Handys läuft. Außerdem verantwortete Vigier für zwei US-Mobilfunkbetreiber die Entwicklung von mobilen Geldbörsen sowie für eine US-Bank das Erstellen einer NFC-Anwendung.

Patent-Anmeldung aus dem Jahr 2009: iPod, iPhone und andere Geräte kommunizieren via NFC.
Patent-Anmeldung aus dem Jahr 2009: iPod, iPhone und andere Geräte kommunizieren via NFC.
Foto: Apple

Branchenkenner halten es für möglich, dass Apple schon bald via NFC in das wachstumsträchtige Geschäft M-Payment einsteigt, eventuell bereits mit dem iPhone 5 im nächsten Jahr. So haben die Kalifornier in jüngster Zeit eine Reihe von entsprechenden Patenten angemeldet, darunter eines für einen NFC-basierenden mobilen Bezahldienst. Dabei überweisen die Anwender die fälligen Beträge via Kredit- oder Debitkarte, buchen ihn direkt vom Bankkonto ab oder nutzen den bestehenden Kredit auf ihrem iTunes-Account. Im April hatte Apple außerdem unter den Bezeichnungen iPay, iBuy und iCoupons ein Konzept für ein Geschäftsmodell aus M-Payment, M-Commerce und M-Marketing rund um ein NFC-fähiges iPhone definiert. Bereits 2009 meldete Apple zudem ein Patent für ein Konzept an, bei dem sich verschiedene Geräte wie iPod, iPhone, Apple TV und iMac, aber auch Projektor, Fernbedienung oder Drucker Ressourcen teilen - initiiert werden die Verbindungen via NFC.

Zum Thema Mobile Payment und NFC gab es bereits zahlreiche Anläufe - etwa das Projekt Handy-Ticket des Rhein-Main-Verkehrsverbunds.
Zum Thema Mobile Payment und NFC gab es bereits zahlreiche Anläufe - etwa das Projekt Handy-Ticket des Rhein-Main-Verkehrsverbunds.
Foto: RMV

Bislang ist es der Nahfunktechnik noch nicht gelungen, den großen Durchbruch zu schaffen. Abgesehen von Japan, wo NFC einigermaßen verbreitet ist, blieb es bei Pilotversuchen. Schuld daran ist neben Vorbehalten gegenüber mobilen Bezahlsystemen überwiegend das Henne-Ei-Problem: Solange es nur wenige NFC-fähige Endgeräte gibt, sind entsprechende Anwendungen Mangelware und umgekehrt.

Die Chancen stehen nicht schlecht dafür, dass Apple an diesem Problem etwas ändern kann. Zum einen rückt das Thema Mobiles Bezahlen zunehmend in das Bewusstsein der ganzen Branche. Die Marktforscher von Gartner schätzen außerdem, dass 2012 bereits drei Prozent der Mobilfunknutzer (immerhin 190 Millionen) mit ihrem Handy bezahlen werden - mit SMS, Barcodes, aber auch mit NFC. Nicht zuletzt hat Apple bereits eine Reihe anderer Produkte und Dienste mit zum Durchbruch verholfen, jüngstes Beispiel sind die mobilen Apps, die vor dem iPhone für die breite Masse der Anwender weitgehend unbekannt waren.