Halbherzige Zensur von Erotik-Titeln

Apple manipuliert iBook-Bestellerliste

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Weil der Company die Inhalte offensichtlich nicht prüde genug waren, hat Apple den Erotik-Bestseller "Blonde and Wet" und andere Titel über Nacht in Großbritannien von seiner iBook-Rangliste gestrichen.

Wie Gizmodo berichtet, tobt Apples Putzfimmel nun im elektronischen Bücherladen iBooks Store: Am Montag führten in Großbritannien noch die Erotik-Geschichten "Blonde and Wet" und "Big Sis" von Carl East die Liste der meistgekauften iBooks an. Am nächsten Tag waren sie dann zusammen mit dem fünftplatzierten Titel ("Six Sexy Stories") aus den Top5 verschwunden, stattdessen wanderten die relativ unverfänglichen Bücher vom dritten und vierten Platz nach oben die ehemaligen Plätze Drei und Vier nach oben ("The Perfect Murder" von Peter James und "iPad Survival Guide" von Toly K).

Zu heiß für das iPad? Britischer iBooks-Store-Besteller Blonde and Wet.
Zu heiß für das iPad? Britischer iBooks-Store-Besteller Blonde and Wet.
Foto: Apple

Während die Jobs-Company bemüht ist, iPhone- und iPad-Nutzer vor sexuellen Inhalten, Porno und anderen Bedrohungen zu schützen, sehen Buchmarktexperten einen gegenteiligen Effekt. Ihrer Meinung nach sind erotische Ebooks für das iPad und andere Reader vor allem deshalb so gefragt, weil sie diskret gekauft und gelesen werden können.

Wie viel Apple-Chef Steve Jobs an seinem Saubermann-Image liegt, ist spätestens seit der Säuberungsaktion im iTunes App Store bekannt. Rund 5000 iPhone-Apps sollen Anfang des Jahres wegen beleidigenden, anstößigen oder obszönen Inhalten Hausverbot erhalten haben. Apple machte dabei allerdings selbst vor den Apps etlicher Zeitungen oder Magazinen nicht halt, die ihre Leser mit spärlich bekleideten Damen bei der Stange halten. Seitdem achtet beispielsweise das Boulevardblatt BILD sorgsam darauf, dass kein Busen oder Po aus dem Printformat übernommen wird. Andere Publikationen verpixeln Brustwarzen oder ziehen ihren Fotomodellen via Photoshop nachträglich Bikinis an oder verkleinern die Oberweite.