iPhone OS 4.0

Apple attackiert Google und Adobe

09.04.2010
Apple kitzelt mit dem kommenden "iPhone OS 4.0" aus seinem populären Smartphone mehr Leistung heraus.
Apple-Chef Steve Jobs kündigt das iPhone OS 4.0 an
Apple-Chef Steve Jobs kündigt das iPhone OS 4.0 an

Ab dem Sommer steht nach den Worten von Konzernchef Steve Jobs (QuickTime-Video-Link) das neue Betriebssystem zur Verfügung, mit dem es möglich sein wird, mehrere Programme gleichzeitig laufen zu lassen ("Multitasking"). Diese Funktion hatten viele iPhone-Nutzer schmerzlich vermisst, um zum Beispiel VoIP-Programme wie Skype oder Internet-Radios wie Pandora dauerhaft im Hintergrund aktiv zu halten.

Mit dem Vorstoß attackiert Jobs andere Smartphone-Hersteller wie Research In Motion (RIM) mit seinen Blackberrys oder Google mit seinem "Nexus One" und dem quelloffenen Betriebssystem Android. "Wir sind nicht die ersten auf der Party, aber wir werden die besten sein", sagte Jobs am Donnerstag am Firmensitz im kalifornischen Cupertino (Sie konnten das bereits in unserem Twitter-Feed "live" mitverfolgen).

Das iPhone OS 4.0 soll über 1500 neue APIs (Programmierschnittstellen) und mehr als 100 Verbesserungen für den Endnutzer beinhalten. Zu Letzteren gehören etwa Ordner zum Verwalten von bis zu 2160 Mini-Programmen (Apps) auf einem Gerät, ein verbessertes Mail-Programm mit Unified Inbox und Unterstützung für mehrere Exchange-Postfächer, Integration des mit dem "iPad" eingeführten E-Book-Regals "iBooks", ein "Social Gaming Network" namens "Game Center" sowie deutlich verbesserte Funktionen für den Unternehmenseinsatz.

Neues iPhone-Modell im Sommer erwartet

Das iPhone OS 4.0 wird mit vollem Leistungsumfang nun auf dem aktuellen "iPhone 3GS" sowie der jüngsten dritten Generation des verwandten Musikspielers "iPod touch" laufen. Ältere Geräte bieten laut Jobs keine ausreichende Systemleistung. Das multifunktionale iPhone-Handy ist einer der Gewinnbringer von Apple. Bis dato hat der Elektronikkonzern mehr als 50 Millionen der Geräte verkauft plus 35 Millionen iPod touch, wie Jobs verriet. Im Sommer dürfte die nächste iPhone-Generation auf den Markt kommen, etwa zeitgleich mit dem OS 4.0.

Apple verdient neben den Geräten auch an den sogenannten Apps. Mittlerweile sind mehr als 185.000 der kleinen Zusatzprogramme im Umlauf. Nutzer haben bislang mehr als vier Milliarden Mal zugeschlagen und sich Apps installiert. Viele sind gratis und deshalb besonders beliebt. Um den Entwicklern und sich selbst dennoch zu einem Einkommen zu verhelfen, lässt Apple mit dem neuen Betriebssystem auch Werbung innerhalb von Programmen zu. Beim sogenannten "iAd" kassiert der Entwickler 60 Prozent der Werbeerlöse, Apple zwackt 40 Prozent ab.

Neue Attacke gegen Google

Damit attackiert Apple ein weiteres Mal Google. Der Internet-Konzern macht das meiste Geld mit Werbung rund um seine Suchmaschine. Von dem Werbekuchen will Apple-Chef Jobs ein Stück abhaben. "Die Leute suchen auf einem mobilen Gerät nicht genauso wie auf einem Gerät daheim", sagte Jobs, "sie nutzen Apps, um ins Internet zu gehen."

Flash-Apps werden ausgesperrt

Apple hat eine zentrale Änderung an seinen Vereinbarungen für iPhone-Entwickler vorgenommen, wie John Gruber auf "Daring Fireball" schreibt. Der Absatz 3.3.1 wurde deutlich erweitert und legt Developer nun konkret auf Apples Entwicklungswerkzeuge fest.

Damit werden Cross/Multi-Plattform-Compiler wie der in "Flash CS5" von Adobe (wird in der nächsten Woche offiziell vorgestellt) ausdrücklich ausgeschlossen. Developer müssen der modifizierten Vereinbarung zustimmen, bevor sie die Vorabversion des 4.0-SDK laden.

Apple schießt mit seinen Neuerungen also nicht nur gegen Google, sondern auch massiv gegen Adobe, das die App-Entwicklung mit Flash gern als ein "Killer-Feature" der neuen Creative Suite vermarkten wollte.

"raganwald" kommentiert das bei "Hacker News" sehr treffend: "Adobe want to lock developers into Flash and commoditize everything else as Flash-delivery devices. Apple want to commoditize applications and lock developers into their APIs."

Auch das iPad soll das neue Betriebssystem bekommen, allerdings erst im Herbst. Seit Verkaufsstart am Samstag gingen bereits 450.000 der Tablet-Computer über die Theke. Bei der größten US-Elektronikkette Best Buy sind die Geräte inzwischen ausverkauft, nur in den Apple-eigenen Läden sind noch einige wenige zu haben. "Wir produzieren sie so schnell wir können", sagte Jobs.

Analysten hatten im Vorfeld der iPad-Premiere mit bis zu 700.000 verkauften Exemplaren alleine am ersten Wochenende gerechnet. Apple hatte die Euphorie aber bereits etwas gebremst. Nichtsdestotrotz war der Start in den Augen von Jobs ein Erfolg. Bis dato hätten die iPad-Nutzer 600.000 Bücher und 3,5 Millionen Apps heruntergeladen. Den Börsianern war das nicht gut genug: Die Aktie fiel leicht. (dpa/tc)