Erste i-Ausstellung

Apfel-Elektronik als Kunstobjekt

11.03.2011
Wer auf seinem Telefon kein Apfel-Symbol hat, ist unterhaltungselektronisch ziemlich out.

Apple ist Kult - aber auch Kunst? Mit dem Mythos der Apfel-Elektronik befasst sich in Frankfurt jetzt zum ersten Mal eine Designausstellung.

Die i-Kosmos-Ausstellung muss ohne offizielle Unterstützung seitens Apple auskommen.
Die i-Kosmos-Ausstellung muss ohne offizielle Unterstützung seitens Apple auskommen.

Exponate im Internet zu ersteigern, ist für die Kuratoren im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt nicht die Regel. Aber was sollten sie machen? Die weltweit erste Designausstellung zu den Produkten des amerikanischen Elektronikherstellers Apple muss am Freitag ohne grünes Licht von Apple öffnen. Trotz fehlender Unterstützung der Firma gelang dem Design-Kurator Professor Volker Fischer eine umfangreiche und ungewöhnliche designhistorische Ausstellung mit dem Titel "Der i-Kosmos. Macht, Mythos und Magie einer Marke". Laut Fischer beweise das Unternehmen durch seine Abwehrhaltung einen "unterentwickelten Sensus für die eigene Geschichte".

Bis zum 8. Mai zeigt das Museum i-Geräte und vergleichbare Produkte anderer Hersteller. Die rund 300 Exponate reichen vom kuriosen Spartenprodukt bis zur genialen Alltags-Elektronik: Der populäre Tablet-PC iPad ist genauso dabei wie ein waschbares iPod-T-Shirt mit textiler Bedienfläche. Apple sei es gelungen, dass nicht mehr der Nutzen, sondern die Begehrlichkeit die Kaufentscheidung beeinflusse, sagte Fischer. Das Design von iPod, iPhone, iPad und Co sieht er in der Tradition des Bauhausstils.

Neben ihrer Ästhetik ist für Fischer auch die innovative Technologie der Apple-Geräte ein Grund für die ungewöhnliche, markenbezogene Ausstellung: "Andere Hersteller sind gezwungen, sich an diesen Produkten zu orientieren. Der Grad der Neuerung ist so groß." Deshalb war es ihm wichtig, auch gerade die Nachahmer-Stücke anderer Firmen zu zeigen, "die aber alle ästhetisch den Apple-Produkten nicht das Wasser reichen können". Auch die Konkurrenz-Firmen waren oft nicht bereit, Exponate zur Verfügung zu stellen - offizielle Begründung: Sie benötigen jedes Gerät für den Verkauf. Tatsächlich, vermutet Fischer, scheuten sie aber nur den direkten Vergleich zum hübscheren Original in der Vitrine nebenan.

"Applemania" nennt Fischer den ungewöhnlichen Hype um die Apfel-Marke. Deshalb hängen auch im Entree des Apple-Ausstellungsbereichs zwei großformatige Fotos: Das rechte zeigt hysterische Beatles-Fans, die 1965 eine Kette mit Polizisten durchbrechen - Beatlemania. Das linke zeigt eine ähnlich hysterische Szene, die allerdings auf das Konto von Apple geht. Zu sehen sind Käufer des neuen iPads, die jubelnd ein Frankfurter Elektronikgeschäft verlassen - den brandneuen Tablet-PC fest im Griff - Applemania. (dpa/tc)