Vtunnel, JonDo, Tor, Vidalia, CyberGhost, Stealthy, Proxy Switchy

Anonym surfen – so geht's

Thomas Bär
Thomas Bär, der seit Ende der neunziger Jahre in der IT tätig ist, bringt weit reichende Erfahrungen bei der Einführung und Umsetzung von IT-Prozessen im Gesundheitswesen mit. Dieses in der Praxis gewonnene Wissen hat er seit Anfang 2000 in zahlreichen Publikationen als Fachjournalist in einer großen Zahl von Artikeln umgesetzt. Er lebt und arbeitet in Irsee im Allgäu.
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Frank-Michael Schlede
Frank-Michael Schlede arbeitet seit den achtziger Jahren in der IT und ist seit 1990 als Trainer und Fachjournalist tätig. Nach unterschiedlichen Tätigkeiten als Redakteur und Chefredakteur in verschiedenen Verlagen arbeitet er seit Ende 2009 als freier IT-Journalist für verschiedene Online- und Print-Publikationen. Er lebt und arbeitet in Pfaffenhofen an der Ilm.
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Wer mit seinem Browser im Internet unterwegs ist, der hinterlässt Spuren – das lässt sich kaum vermeiden. Aber mit den entsprechenden Werkzeugen und Hilfen können viele dieser Spuren verhindert oder unkenntlich gemacht werden.

Geht es nach dem Willen vieler Juristen und mindestens ebenso vieler Politiker in Deutschland, ist "ein Recht auf anonyme Internet-Nutzung nicht anzuerkennen": Nachzulesen bei den Beschlüssen des 69. Juristentages, der vom 18. bis 21. September 2012 in München stattfand.

In der Praxis klafft jedoch eine große Lücke zwischen dem Bestreben übereifriger Politiker und Staatsschützer, jeden noch so kleinen Schritt alle Bürger im Internet zu überwachen und dem Anspruch vieler Internet-Aktivisten, allen Menschen völlig Freiheit im Netz zu gewähren. Ein Blick auf die Technik zeigt folgende aktuelle Situation:

  • Jede Online-Aktion hinterlässt Spuren;

  • Eine Online-Aktion gleich welcher Art hinterlässt in der Regel sowohl auf dem eigenen Endgerät (PC, Tablet, Smartphone) als auch auf allen "dazwischen geschalteten" Ressource wie Web- und Proxy-Servern unterschiedliche Spuren;

  • Das Löschen aller Spuren ist nur sehr schwer möglich beziehungsweise unmöglich. Wie bei allen "forensischen" Operationen bleibt einzig die Frage, welchen Aufwand es kostet, bestimmte Information zu finden beziehungsweise wiederherzustellen;

  • Mit den richtigen Software-Tools ist es möglich, einen Grad der Anonymität zu erreichen, der für die alltäglichen Bedürfnisse (nicht für geheimdienstliche Tätigkeiten) ausreicht.

Wir geben in diesem Beitrag einen Überblick darüber, wie Sie feststellen, welche Daten Sie und Ihr Browser beim Surfen preisgeben und welche Tools Ihnen dabei helfen können, dies zu verhindern.

Informationen zuerst: Welche Daten verrät mein Browser?

Klingt gut, bietet aber wenig Sicherheit: Der InPrivate-Modus des Internet Explorer verhindert nur, dass die besuchten Web-Seiten auf dem eigenen PC abgespeichert werden. Deshalb gibt Microsoft hier auch den entsprechenden Hinweis.
Klingt gut, bietet aber wenig Sicherheit: Der InPrivate-Modus des Internet Explorer verhindert nur, dass die besuchten Web-Seiten auf dem eigenen PC abgespeichert werden. Deshalb gibt Microsoft hier auch den entsprechenden Hinweis.
Foto: Frank-Michael Schlede / Thomas Bär

Zunächst einmal ist es gut zu wissen, um welche Daten es geht: Welche Informationen gibt ein Browser preis, wenn beispielsweise eine Web-Seite aufgerufen wird? Den meisten Anwendern dürfte bekannt sein, dass alle Browser die besuchten Seiten in einer Liste aufbewahren, die sich auch im Nachhinein anschauen und untersuchen lässt. Dagegen hilft ein manuelles Löschen dieses Verlaufs, der in einigen Browsern auch Chronik heißt. Die Alternative stellt ein so genannter "InPrivate"- oder auch Inkognito-Modus dar, durch den der Browser nach Abschluss der Sitzung den Verlauf sowie eventuell gespeicherte Cookies und den Cache löscht. Auch Passwörter und zuvor eingegebene Benutzerkennungen sowie Daten, die in Formularfelder eingegeben wurden, werden gelöscht. Es lässt sich zwar verhindern, dass andere Benutzer des gleichen Systems herausbekommen, auf welchen Seiten gesurft wurde - aber schon im internen Netzwerk bieten sich für einen Administrator oder auch einen Angreifer genügend Möglichkeiten, die von einem Browser übermittelten Daten abzufangen und zu analysieren. Was die Anonymität im Internet angeht, bieten diese Maßnahmen keinen Schutz.

Web-Seiten zum Testen der Anonymität

Es existieren einige Web-Seiten, die anzeigen, welche Informationen der eigene Browser preisgibt. Eine schöne Übersicht bietet die Seite Dein-Ip-Check.de. Auf ihr finden sich nicht nur allgemeine Information wie IP-Adresse, Host- und Providername, sondern auch geographische Informationen zum eigenen Standort. Informationen zum verwendeten Browser, die bis zu den verwendeten Plugins und der Verfügbarkeit von Java reichen, runden das Angebot ab. Da diese Details aber via JavaScript ausgelesen werden, kann ein Ausschalten der JavaScript-Unterstützung im Browser oder noch besser der Einsatz eines Script-Blockers wie NoScript sehr wirksam verhindern, dass viele Informationen über den Browser weitergegeben werden. Die beiden Browser-Fenster (einmal mit Script-Blocker und einmal ohne), die das Bild 4 unserer Bildstrecke zeigt, demonstrieren diesen Unterschied sehr schön.

Eine weitere Seite, die einen solchen Test vornimmt, wird vom JonDonym-Projekt zur Verfügung gestellt. Die dort angebotene Testseite "ip-check.info" zeigt nicht nur sehr ausführlich, wo der Browser gefährlich Schwachstellen offenbart, sondern gibt auch fast immer Tipps, wie diese beseitigt werden können. Wir haben diese Seite auch dazu verwendet, die Wirksamkeit der Tools zu überprüfen, die wir im Rahmen dieses Berichts vorstellen.

Einfach und ohne Installation: Web-Proxy über den Browser

Wer möglichst unerkannt im Netz surfen will, wird dazu in der Regel einen so genannten Proxy-Server einsetzen: Dabei laufen alle Aufrufe von Web-Seiten und auch die entsprechenden Rückmeldungen zunächst über diesen dazwischen geschalteten "Stellvertreter". Wer solch einen Server im eigenen Netzwerk installiert, kann aber auch bestimmte Seiten filtern und besitzt zudem eine wirksame Kontrollinstanz, der das Surfverhalten der Anwender aufzeichnet. Im Internet existiert eine große Zahl von anonymen Servern, die als Proxy-Server fungieren und damit einen Teil der Information über den Nutzer und seinen Browser vor dem Ziel-Server verbergen. Wer keine zusätzliche Software zur Anonymisierung auf seinem Rechner installieren kann oder will, sollte auf einer dieser Lösungen zurückgreifen, von denen wir hier einige exemplarisch vorstellen.

CyberGhost

CyberGhost: Eine Web-Seite, die neben dem freien Web-Proxy auch eine eigene Software (in einer freien und in verschiedenen kommerziellen Versionen) anbietet:

  • Freier Web-Proxy, der mit guter Geschwindigkeit und einer großen Auswahl an Servern aufwarten kann;

  • Seite und Software vollständig in Deutsch und in weiteren Sprachen lokalisiert;

  • Bei den von uns verwendeten Testseiten blieb die Anonymität gewahrt.

Fazit: Diese Web-Seite eignet sich in der aktuellen Konfiguration gut dazu, ohne großen Aufwand anonym zu surfen. Allerdings befindet sie sich in einer Beta-Phase und es ist nicht klar, wie lange es dieses Angebot noch geben wird, weil die Firma auch ein entsprechendes Programm anbietet (das wir im weiteren Verlauf des Artikels noch besprechen).

Vtunnel

Wie man es nicht machen sollte: Die Seite für den Web-Proxy-Zugriffe von Vtunnel überhäuft den Anwender nicht nur mit Popup-Fenstern, sondern belästigt ihn auch unablässig mit Audiospots – das kann ein kostenloser Zugriff auch nicht ausgleichen.
Wie man es nicht machen sollte: Die Seite für den Web-Proxy-Zugriffe von Vtunnel überhäuft den Anwender nicht nur mit Popup-Fenstern, sondern belästigt ihn auch unablässig mit Audiospots – das kann ein kostenloser Zugriff auch nicht ausgleichen.
Foto: Frank-Michael Schlede / Thomas Bär

Ähnlich wie bei anderen Web-Proxys genügt auch bei Vtunnel der Aufruf der Seite und das Eingeben der Web-Adresse, die der Anwender anonym besuchen will. Allerdings haben wir während der gesamten Testphase keine andere Seite gefunden, die derart mit Werbung überfrachtet ist. Zwar anonymisiert die Web-Seite die Aufrufe zuverlässig, was uns auch durch Aufruf der Testseiten bestätigt wurde. Der Nutzer wird aber bereits beim Start mit Pop-Up-Fenstern regelrecht bombardiert. Selbst auf der eigentlichen Testseite stören Musik und Audio-Spots das Surfen. Durch einen Script-Blocker lassen sich die meisten dieser nervenden Einblendungen zwar abschalten, dann funktionierte die Seite aber nicht immer richtig.

Fazit: Ein Paradebeispiel dafür, wie eine kostenfreie Lösung nicht aussehen sollte.

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