Droidcon-Keynote

Android profitiert von seiner Offenheit

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Professor Kai Rannenberg vom Chair of Mobile Business & Multilateral Security an der Uni Frankfurt hat heute mit seiner Keynote-Rede die Android-Fachkonferenz Droidcon in Berlin eröffnet.

Rannenberg begann mit einem Rückblick in die Geschichte der IT-Industrie und die historisch entgegengesetzten Strategien von Microsoft - Hardware egal, Hauptsache unsere Software - sowie Apple (Closed Loop). Der Forscher (http://www.m-chair.net) zog dann Parallelen zum mobilen Markt von heute. Apple mit seinem iPhone setze weiter auf ein geschlossenes System, das auch die Zensur der Inhalte im App Store und das Festlegen von Entwicklern auf die hauseigenen Tools einschließe. Android sei im Vergleich dazu deutlich offener, und das nicht nur wegen seines quelloffenen Codes.

Kai Rannenberg bei seiner Keynote zur Droidcon-Konferenz 2010 in Berlin.
Kai Rannenberg bei seiner Keynote zur Droidcon-Konferenz 2010 in Berlin.

Auf der anderen Seite steht die Android-"Mutter" Google zurzeit verstärkt in der Kritik, weil sie vermeintlich zu viele Daten sammelt und es des öfteren an der nötigen Transparenz mangeln lässt. "Wenn Google doch noch scheitert, dann nicht an seinem Geschäftsmodell, sondern an den Folgen seiner Hybris", zitierte Rannenberg Klaus von den Hoff von Arthur D. Little (im "manager magazin"). Was das Datensammeln betrifft, unterstrich der Wissenschaftler insbesondere die Problematik des Browser-Fingerprinting - viele Browser lassen sich aufgrund allerlei technischer Finessen eindeutig einem bestimmten Nutzer zuordnen, ohne dass diesem dies bewusst wäre (siehe auch http://panopticlick.eff.org)

Was den Einsatz von Android im Unternehmen angeht, konstatierte Rannenberg sachlich, die Integration und der Reifegrad des von Google initiierten Open-Source-OS seien bislang (noch) nicht optimal. Dazu komme das Problem der Fragmentierung der verschiedenen Android-Versionen im Markt (neue Website zum Thema: http://www.androidfragmentation.com).

Rannenberg kommt dennoch zu dem Schuss, dass Android als nicht-restriktive Plattform (wie Microsoft auf dem Desktop) ein Major Player im Mobilmarkt werden wird. Aktuelle Marktzahlen von zum Beispiel Canalys und Gartner zeigen bereits deutlich das zuletzt stark beschleunigte Wachstum der noch jungen Plattform - das erste Android-Telefon "T-Mobile G1" kam erst im Herbst 2008 heraus. Android könne einerseits von Apples restriktiver Strategie profitieren, glaubt Rannenberg, andererseits aber auch unter Googles schlechtem Image leiden. Der Wissenschaftler geht ferner davon aus, dass es im Markt für mobile Betriebssystem auf absehbare Zeit kein Monopol oder Duopol werden wird. Und je komplexer die Smartphones würden, desto zentraler werde die Herausforderung ihrer "offensichtlichen Vertrauenswürdigkeit", schloss Rannenberg seine Droidcon-Keynote.