Entwicklung

Agile - das Aus für Wasserfall?

15.03.2013
Viele Softwareentwickler sagen ein Aussterben des klassischen Waterfall-Vorgehens voraus. Zu früh, sagt Anton Dechko von SaM Solutions.
Ein Plädoyer für die Entwicklung nach dem klassischen Waterfall-Vorgehen: Anton Dechko, SaM Solutions GmbH.
Ein Plädoyer für die Entwicklung nach dem klassischen Waterfall-Vorgehen: Anton Dechko, SaM Solutions GmbH.

Wasserfall beziehungsweise Waterfall als Methode der Softwareentwicklung ist tot, ein Hoch auf agile Methoden wie Scrum - diese Meinung dürften viele Softwareentwickler teilen. Aber stimmt diese gängige Überzeugung auch? Die Antwort lautet Nein! Wenn man den Wasserfall richtig verwendet, kann man mit ihm ebenso effizient wie mit agilen Methoden arbeiten. Bei Applikationen mit zwingend notwendigen, kritischen Systemeigenschaften hat er sogar deutliche Vorzüge.

Um diese Position zu verdeutlichen, sollen hier zunächst die wichtigsten Vorurteile und Überzeugungen zu Waterfall kurz dargestellt und diskutiert werden. Grundsätzlich: Waterfall ist eine alte, man kann auch sagen bewährte Methode zur sequenziellen, schrittweisen Entwicklung von Software, die bereits in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts formuliert wurde. Sie heißt Waterfall, da in einem mehrteiligen Prozess von Stufe zu Stufe vorgegangen wird, ähnlich wie manche Wasserfälle fallen. Die verschiedenen Phasen im Entwicklungsprozess werden entsprechend der Reihe nach abgearbeitet. So weit, so gut. Was sind nun aber die häufigsten Einwände gegenüber dieser doch plausibel klingenden Vorgehensweise?

Kritikpunkt Dokumentation

"Waterfall ist ineffektiv und veraltet - agile Methoden wie Scrum sind modern und produktiv", so eine typische Einschätzung oder Fehleinschätzung. Sie geht davon aus, dass jedes Projekt unter Waterfall überdokumentiert ist und jeder einzelne Schritt zur Behebung auftretender, unerwarteter Probleme Monate dauert.

Tatsächlich aber benötigen agile Methoden wie Scrum ebenso viele, den Entwicklungsprozess begleitende Dokumente wie Waterfall. Auf eine Spezifizierung der Anforderungen, die Dokumentation der Architektur oder die Festlegung von Testszenarien wird auch hier nicht verzichtet.

Die Vor- und Nachteile agiler Softwareentwicklung.
Die Vor- und Nachteile agiler Softwareentwicklung.

Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass in agilen Projekten diese Dokumente parallel zum Entwicklungsprozess und typischerweise als eher informeller Text erstellt werden. Der so genannte End-User versteht diese informellen Texte besser und sieht Ergebnisse der Entwicklung unmittelbar, da der agile Ansatz auf eine schnelle Umsetzung aus ist.

Manchmal ist dies von Wert, manchmal auch nicht. Es führt aber kein Weg daran vorbei, egal in welchem Prozessmodell, eine solide Dokumentation zu erstellen. Niemand kann ungezählte Zeilen von undokumentiertem Code pflegen, warten, erweitern oder verbessern. Die Frage ist nur, an welcher Stelle im Prozess diese Dokumentation erstellt wird: Vorab wie bei Waterfall oder begleitend zur Entwicklung wie etwa bei Scrum.

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