Enterprise Architecture Management

18 EA-Tools im Vergleich

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
EA-Tools gestalten und visualisieren die Unternehmensarchitektur. Wissenschaftler der TU München haben 18 Lösungen unter die Lupe genommen.

Aufgabe des Enterprise Architecture Management (EAM) ist es, das Zusammenspiel von IT- und Geschäftsprozessen zu gestalten und darzustellen. Die IT ist in diesem Zusammenhang gefordert, dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, indem sie den Fachbereichen zu kürzeren Reaktionszeiten, besserer Effizienz und kürzeren Anpassungszeiten an veränderte Rahmenbedingungen in einer globalisierten Welt verhilft.

Foto: Edler von Rabenstein - Fotolia.com

Daher benötigt das EAM einen ganzheitlichen Ansatz. Es sollte die Geschäftsaktivitäten, die internen Prozesse, die Services, Applikationen, Infrastrukturdienste, Plattformen und Datenbanken usw. umfassen. Weil EA-Informationen stark ineinander verflochten sind, sind sie schwer dazustellen und zu modellieren. Das EAM ist im Grunde ein komplexes System vieler Systeme.

Warum die EA-Visualisierung wichtig ist

Um die vielfältigen Verbindungen und Zusammenhänge erfassen und darstellen zu können, bietet sich die Visualisierung an.

Mit einer grafischen Veranschaulichung lassen sich nämlich

  • komplexe Informationen erläutern und analysieren,

  • die Stakeholder einfacher ins Boot holen und

  • die Zusammenhänge transparenter darstellen.

Um mit der Masse der Daten zurechtzukommen, nutzt das EAM üblicherweise ein EA-Repository, das auch als EA-Tool bezeichnet wird.

Die Hauptaufgaben dieser Tools sind die Pflege der EA-Modelle samt ihrer Informationen sowie das Erstellen von Reports. Der wesentliche Bestandteil der Berichte sind oft visualisierte Darstellungen der Unternehmensarchitektur.

18 EA-Tools auf dem Prüfstand

Um zu erkunden, was die verschiedenen im Markt erhältlichen EA-Tools in dieser Hinsicht leisten, hat sich der Lehrstuhl für Software Engineering für betriebliche Informationssysteme (Sebis) der Fakultät für Informatik an der Technischen Universität München (TUM) folgende 18 Lösungen genauer angesehen:

  • ABACUS von Avolution,

  • ADOit von der BOC AG,

  • ARIS von der Software AG,

  • BiZZdesign EA Tool Suite von BiZZdesign,

  • Corporate Modeler Suite von Casewise,

  • Enterprise Architect von der SparxSystems Ltd,

  • Envision VIP von Future Tech Systems,

  • iteraplan von der iteratec GmbH,

  • Layer8 von der Layer8-Solutions GbR,

  • leanIX von der LeanIX GmbH,

  • MEGA von MEGA International,

  • planningIT von der Software AG,

  • PowerDesigner von Sybase beziehungsweise der SAP AG,

  • process4.biz von der process4.biz Softwareentwicklungs- und Vertriebs GmbH,

  • QPR EnterpriseArchitect von QPR Software,

  • Rational System Architect von IBM,

  • SAMU Repository von Atoll Technologies Ltd sowie

  • Txture von der QELaB Business Services GmbH.

Was die Tools leisten

Die Ergebnisse werden in der Studie "Enterprise Architecture Visualization Tool Survey 2014" von Sascha Roth, Marin Zec und Florian Matthes vorgestellt. Sie konzentriert sich auf die Analyse der Visualisierungsmöglichkeiten dieser EA-Werkzeuge. Sie nimmt darüber hinaus aber auch die Funktionen unter die Lupe, die EA-Modelpflege, Konfiguration, Customization, Erzeugung, Layouting sowie Import und Export ermöglichen.

Die vornehmliche Zielgruppe der Erhebung sind Anwender von EA-Tools etwa Verantwortliche auf CxO-Ebene, Strategic Enterprise Architects, Portfolio-Manager, Consultants und Analysten, aber auch Anbieter, Berater und Marktforscher.

In einer ersten Phase der Analyse haben die Autoren der Studie erhoben, welche Möglichkeiten und Funktionen die untersuchten Tools hinsichtlich Visualisierung, Konfiguration und Anpassung zu bieten haben.

In der zweiten Phase wurden 109 Anwender befragt. Ziel dieser Umfrage war es, den Bedarf und Trends herauszuarbeiten. Dazu wurden die Praktiker unter anderem danach gefragt, welche der angebotenen Funktionen sie tatsächlich benutzen und welche sie künftig nutzen werden. Zudem konnten sie Angaben zu den wichtigsten Versäumnissen oder Mängel der Tools machen.

Hinsichtlich der Produkt-Features haben die Forscher etwaiges Vendor-Lock-in bei den Import- und Export-Funktionen untersucht, die Betriebsform erhoben (Client, Server oder Cloud) sowie die unterstützten Client-Plattformen aufgelistet (unter anderem Windows, Linux, MacOS, Browser-basierend, Android und iOS).

Auch nach den zugrunde liegenden EA-Frameworks (etwa Zachman, TOGAF) und Lizenzmodelle wurden die Anbieter befragt.

Vielzahl von Darstellungsmöglichkeiten

Um die Visualisierung genauer zu ergründen, tauchten die Forscher vom Lehrstuhl Sebis tief in die Materie ein. Hinsichtlich der Datenimporte haben sie die Integration mit Third-Party-Anwendungen wie etwa Business-Intelligence-Tools, Business-Process-Engines und Configuration-Management-Lösungen sowie die Import- und Export-Formate (etwa XML, CSV, JSON) analysiert.

Breiten Raum nimmt die Form der Visualisierung in der Studie ein. Die Autoren listen insgesamt 26 verschiedene Visualisierungstypen auf, etwa Tabelle, Flussdiagram, 3-D-Grafik, Dashboard sowie Darstellung gemäß Business Process Model and Notation (BPMN). Für jedes EAM-Tool enthält die Studie Beispiele aller unterstützten Visualisierungstypen.

Das Ziel der Studie ist die Bestandsaufnahme der Tool-Unterstützung im EAM, nicht jedoch eine Bewertung der Tools. Daher nennt die Studie keinen Sieger oder Verlierer. Sie stellt die Ergebnisse ausführlich samt Anbieterprofilen dar. Einen Auszug aus den Ergebnissen zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke.

Microsoft stellt die beliebtesten Visualisierung-Tools

Die Auswertung der Anwenderbefragung zeigt, dass das meistgenutzte Tool für Visualisierung der unternehmensweiten Architektur gar nicht Gegenstand der Erhebung war: die meisten Befragten nutzen in ihren EAM-Workflows die Microsoft-Produkte Excel, Powerpoint und Visio für diese Aufgabe. Unter den reinen EA-Tools hat Enterprise Architect von Sparx Systems die größte Verbreitung, gefolgt von Aris und Iteraplan. Die Erhebung ist indes nicht repräsentativ. Die meisten Antworten kamen aus Großunternehmen (87 von 109 Antworten), aus der IT-Branche (33 von 109 Unternehmen) und aus Deutschland (50 von 109 Firmen).

Die Befragung von 109 Anwendern von Enterprise Architecture Management (EAM) zeigt, dass die meisten auf Microsoft-Tools zur Visualisierung vertrauen.
Die Befragung von 109 Anwendern von Enterprise Architecture Management (EAM) zeigt, dass die meisten auf Microsoft-Tools zur Visualisierung vertrauen.
Foto: sebis, Technische Universität München

Aus den gesammelten Daten von Anbietern und Anwendern lesen die Sebis-Forscher einen Trend in Richtung web-basierender Lösungen zur EA-Visualisierung heraus.

Besonders häufig benutzte Darstellungsformen sind die Cluster-Karte, Matrix, Zeitleiste und das Flussdiagramm. Interessanterweise gibt es je nach Jobprofil unterschiedliche Vorlieben:

• Bubble Charts (Punkt- oder Kreisdiagramme) werden vor allem in der Kommunikation mit den IT-, Fachbereichsleitern und C-Level-Executives verwendet.

• BPMN ist eine übliche Darstellungsform für Business-Analysten.

• UML ist relevant für Enterprise- und Solution-Architekten.

• Dashboards zielen vornehmlich darauf ab, C-Level-Stakeholder zu informieren.

• Die Event Driven Process Chain (EPC) wird gerne von Business-Analysten verwendet.

Die Erhebung zeigt zudem, dass sich die Bedienung der Tools mittlerweile einfacher gestaltet, so dass auch weniger versierte Nutzer ihre Modelle anpassen können. Nichts destotrotz besteht unter Anwendern Bedarf an weiteren Vereinfachungen, so dass das Customizing schneller gelingt.

Hier lässt sich Studie kostenlos gegen Registrierung downloaden.