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Zwei Drittel von Doc Morris stehen zum Verkauf

02.04.2004

Der als "Internet-Apotheke" bekannt gewordene Arzneimittel-Versand Doc Morris wird innerhalb der nächsten Monate mehrheitlich in neue Hände übergehen. Wie Unternehmensgründer und CEO Ralf Däinghaus bestätigte, wollen die Beteiligungsgesellschaften 3i und Technonord innerhalb der kommenden sechs Monate ihre jeweils ein Drittel betragenden Anteile weiterveräußern.

Däinghaus und andere Mitglieder der Unternehmensführung halten das restliche Drittel des im niederländischen Landgraaf ansässigen Unternehmens. Eigenen Angaben zufolge hat der geschäftstüchtige Querdenker keinerlei Absicht, seine Anteile zu veräußern oder die Geschäftsleitung aufzugeben. Seiner Überzeugung zufolge interessieren sich die potenziellen Geldgeber ohnehin nur für Unternehmen, die ein funktionierendes Management vorweisen können. Mit "mehr als eine Handvoll" möglicher Investoren laufe bereits die Due Diligence.

Namen wollte Däinghaus verständlicherweise nicht nennen, aber immerhin verriet er, dass sein Geschäftsmodell für drei Gruppen von Investoren attraktiv sein müsste: für den Pharmagroßhandel - insbesondere für ausländische Unternehmen, die den deutschen Markt erobern wollten - sowie für klassische Versand- und Filialhandelsunternehmen, um in das lukrative Arzneimittelgeschäft einzusteigen. Daneben sei Doc Morris aber nach wie vor auch für Finanzinvestoren ein gutes Geschäft.

3i und Technonord wollen ihre Einlagen vergolden, nachdem der Postvertrieb verschreibungspflichtiger Medikamente mittlerweile auch in Deutschland legal ist und Doc Morris eigenen Angaben zufolge seit Oktober vergangenen Jahres schwarze Zahlen schreibt. Der Versandhändler profitiert vor allem von der am 1. Januar in Kraft getretenen Gesundheitsreform, die ihm eine weit höhere Marge einräumt als bisher. Zudem treibt sie ihm die Versicherten in die Arme: Sie können sich die Hälfte der Selbstbeteiligung von bis zu zehn Euro pro Verschreibung sparen, wenn sie bei Doc Morris ordern. Rund 125.000 Neukunden habe das Unternehmen seither gewonnen, berichtet Däinghaus.

Der Umsatz des ersten Quartals liege mit 30 Millionen Euro bereits bei drei Fünfteln der Jahreseinnahmen für 2003, so der Geschäftsführer. Im laufenden Jahr wolle er "aus eigener Kraft" 140 Millionen Euro umsetzen. Mit Hilfe eines finanzkräftigen Investors könnte es durchaus ein bisschen mehr sein, deutet er an. Den Gesamtmarkt schätze er auf zwei bis drei Milliarden Euro. (qua)