Web 2.0 Expo

Yahoo! will seine Plattformen radikal öffnen

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Yahoo! will seine zahlreichen Online-Dienste mit dem Konzept sozialer Profile auf ganz neue Art miteinander verbinden.

Außerdem öffnet der Portalriese seine Web-Plattformen noch weiter für externe Entwickler, die künftig Applikationen für das Yahoo!-Seitennetz schreiben können sollen. Die hunderte Millionen Nutzer, die Yahoo!s Webmail. Instant Messaging, Kalender, Fotoverwaltung und andere Online-Services nutzen, sollen so die gleiche soziale Erfahrung machen können, die Social Networks wie MySpace oder Facebook so populär gemacht haben.

Yahoo!-Nutzer bekommen ein Profil, unter dem sich die verschiedenen Dienste finden und das sie sich durch Hinzufügen weitere Anwendungen maßschneidern können. Dieses Profil soll auch einfacher die Beziehungen zu anderen Nutzern aufzeigen, so dass sich Nutzer leichter untereinander auffinden und einfacher und effizienter interagieren können. Wenn es Yahoo! gelingt, diese Vision Realität werden zu lassen, könnte dies eine erste Bedrohung für die "etablierten" Social Networks werden und Yahoo! endlich den Schub bringen, den es seit Jahren bei der Web-Gemeinde sucht.

"Es geht darum, Yahoo! von innen heraus neu zu verdrahten, über all unsere Angebote hinweg, diese Web-Dienste fundamental zu öffnen und ein durchgängiges Entwicklungsmodell anzubieten, genauso wie ein konsistentes Deployment und eine konstistente Nutzererfahrung", erklärte Yahoo!s Chief Technology Officer Ari Balogh in einer Grundsatzrede (Keynote) auf der Web 2.0 Expo in San Francisco.

Yahoo! bietet zwar schon seit Jahren für verschiedene seiner Services offene APIs (Application Programming Interfaces = Programmierschnittstellen), die neue Initiative geht Balogh zufolge aber deutlich weiter und soll den Entwicklungsprozess über alle Yahoo!-Plattformen hinweg vereinheitlichen. "Das beinhaltet eine Öffnung, die wir niemals zuvor gewagt haben. Es geht darum, das ganze Yahoo!-Erlebnis sozialer zu machen", so der CTO.

Die Öffnung hat bereits begonnen: Yahoo! öffnete gestern (als Beta) seine Entwicklungsumgebung "Search Monkey", mit der externe Developer die Suchergebnisse von Yahoo! so anpassen können, dass sie - theoretisch - relevanter und aussagekräftiger werden. Entsprechende Pläne hatte das Unternehmen bereits im Februar bekanntgegeben. Im Laufe des Jahres sollen laut Balogh weitere Meilensteine auf dem Weg zu einer weiteren Öffnung folgen.

Yahoo! begräbt damit offensichtlich auch seine bisher erfolglosen Pläne, Facebook und MySpace mit einem eigenen dedizierten Social Network (wie dem enttäuschenden "Yahoo! 360") Konkurrenz zu machen. Stattdessen greift Yahoo! auf seine vorhandenen Nutzer zurück, die über Kontaktlisten, Adressbücher und dergleichen bereits einige zehn Milliarden "latente soziale Beziehungen" untereinander geknüpft haben.

Yahoo! werde mit der Vereinheitlichung seiner Nutzerprofile, so Balogh weiter, sein eigenes konsistentes soziales "Schaubild" zum Nutzen von sowohl Nutzern als auch Entwicklern schaffen. Ausgehend von diesem Diagramm könne Yahoo! dann sowohl relevante Verbindungen zwischen seinen Nutzern herstellen wie auch "Ereignisströme" dessen, was Leute online tun, wie sie bei Facebook, FriendFeed oder Twitter popluär sind.

"Wir sehen das Soziale nicht als Zielort. Wir denken das Soziale als Dimension. Es fließt in jedes Element der Verbrauchererfahrung im Web ein", sagt Balogh.

Yahoo! werde, so versprach der Technikchef, natürlich sicherstellen, dass seine Nutzer die Kontrolle darüber hätte, für welche Applikationen sie sich entscheiden und denen sie ihre Daten anvertrauen, und dass die Daten seiner Nutzer sicher bleiben. (tc)