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Worldcom-Gläubiger fürchten weitere Bilanzleichen

12.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach den jüngsten Enthüllungen des insolventen US-Carriers Worldcom über weitere Falschbuchungen in Höhe von 3,3 Milliarden Dollar fürchten sich einige Gläubiger vor weiteren Bilanzleichen im Keller. Sie fordern daher eine noch umfassendere und weitreichendere Überprüfung der Finanzdaten. Nur wenn Worldcom reinen Tisch macht und alle Unsicherheiten über weitere Luftbuchungen ausräumt, würden Vermögenswerte des TK-Konzern bei einem Verkauf eine angemessene Bewertung erfahren, erklärte ein Vertreter des Gläubigerkomitees. Das Gremium, das die Interessen der Halter ungesicherter Anleihen vertritt, erwägt in diesem Zusammenhang auch eine eigene Buchprüfung der Worldcom-Bilanzen vor 1999. Die Arbeit werde erst dann gestoppt, wenn "einige saubere Jahre" gefunden worden sind.

Worldcom selbst plant keine weiter zurückreichenden Prüfungen, will aber glaubwürdigen Hinweisen über mögliche Bilanzmauscheleien im Jahr 1999 oder vorher nachgehen. CEO John Sidgemore begründete die Entscheidung damit, dass es nur gesetzlich vorgeschrieben sei, die Bücher für einen Zeitraum von drei Jahren prüfen zu lassen. Das Unternehmen hatte vergangene Woche bekannt gegeben, dass der Großteil der Luftbuchungen im Umfang von nun insgesamt 7,2 Milliarden Dollar in den Jahren 2000 und 2001 vorgenommen worden seien (Computerwoche online berichtete). In der Bilanz von 1999 wurde "lediglich" ein Betrag von 200 Millionen Dollar falsch ausgewiesen. Worldcom argumentierte, diese Summe sei zu gering, um eine komplette Überprüfung zu rechtfertigen. Finanzexperten sprechen sich dagegen aufgrund der verborgenen Risiken - der US-Carrier hatte in den

vergangenen 20 Jahren rund 70 Firmen übernommen - für eine weitreichendere Testierung aus. In ihrem Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel 11 im vergangenen Monat hatte die Telefongesellschaft den Firmenwert noch mit 107 Milliarden Dollar beziffert. Vergangene Woche gab Worldcom dann bekannt, es werde unter Umständen eine Goodwill-Abschreibung in Höhe von 50 Milliarden Dollar vornehmen. (mb)