Winfried Holz, Atos Origin Deutschland

"Wir verkraften auch ein Ende des Arcandor-Vertrags"

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Durch die Insolvenz von Arcandor steht der Mega-Deal mit dem IT-Dienstleister Atos Origin auf der Kippe.

Von der Insolvenz von Arcandor sind auch die Partnerunternehmen des Touristik- und Handelskonzerns betroffen. "Die Situation bleibt spannend", beschreibt Winfried Holz, seit November letzten Jahres CEO für Atos Origin Deutschland und Zentraleuropa, die ungesicherte Auftragslage des IT-Dienstleisters. Er hoffe zwar auf den "best case": dass Arcandor aus der Insolvenz gestärkt hervorgehen und als eigenständiges Unternehmen am Markt agieren werde. Dann würde der seit fast fünf Jahren laufende Service-Vertrag mit Atos Origin weiter bestehen. "Aber wir müssen uns auch auf andere Szenarien einstellen - etwa, dass Teile von Arcandor veräußert werden", räumt Holz ein. Von den jeweiligen Käufern werde es dann abhängen, ob die Dienstleistungen von Atos Origin weiter gefragt seien oder nicht. Und im "worst case" scheitern alle Bemühungen um Arcaondor, und das Unternehmen beziehungsweise Teile davon werden liquidiert: "Damit wäre der Vertrag am Ende", so Holz. Und das hieße, dass dem IT-Dienstleister fast ein Fünftel seiner Einnahmen in Deutschland wegbrächen.

Atos Origin hatte in den vergangenen Monaten mehrfach über eine Vertragsverlängerung verhandelt: "Arcandor wollte bessere Konditionen, wir entsprechende Gegenleistungen", berichtet Holz. Vor allem mit der sich abzeichnenden Insolvenz und dem Einstieg des neuen Managements hätten sich die Nachverhandlungen intensiviert. "Es wurde versucht, die Insolvenz auch mit Hilfe der Lieferanten abzuwenden", beschreibt Holz. "Wir waren natürlich zu Zugeständnissen bereit, aber es war schon zu spät."

Bis die Entscheidung, wie es mit Arcandor weiter geht, Ende August fällt, gelten spezielle Vereinbarungen, die dem IT-Dienstleister die ihm zustehenden Zahlungen zusichern. Details zu diesen Bedingungen darf Holz nicht verraten, das sei vertraulich. Allerdings habe Atos Origin auch in der Zeit davor keinen nennenswerten finanziellen Schaden erlitten, betont der Firmenchef: "Bis zur Insolvenz hat Arcaondor immer pünktlich bezahlt, was bei anderen Partnern - etwa den Vermietern - ja nicht der Fall war." Eine Monatsrechnung musste sein Unternehmen jedoch abschreiben, "das Geld ging in die Konkursmasse ein."

Im Herbst 2004 hatte Arcandor, damals noch Karstadt-Quelle, die gesamte IT-Infrastruktur, die Netze sowie den Support der Endgeräte an Atos Origin ausgelagert. Auch zu dieser Zeitpunkt stand es finanziell schlecht um den Tourstik- und Handelskonzern: Nur wenige Wochen nach Betriebsübergang rutschte er tief in die roten Zahlen und musste sich von Geschäftsbereichen und Warenhäusern trennen. Atos Origin schreckte das nicht ab: Mit einem Vertragswert von 1,2 Milliarden Euro war der Mega-Deal für den in der Vergangenheit vor allem durch Akquisitionen gewachsenen und dadurch hoch verschuldeten französischen IT-Dienstleister der erste große Auftrag in Deutschland. "Der Vertrag stellte die Initialzündung für unsere Entwicklung in Deutschland dar", so Holz. "Er schuf die Basis für eine Reihe von Verträgen - etwa mit E-Plus, Premiere und BP - die inzwischen teilweise genauso groß oder sogar größer sind." Vor diesem Hintergrund sei Atos Origin nicht mehr so abhängig von dem Vertrag mit dem Kaufhausriesen wie früher: "Von den rund 600 Millionen Euro Umsatz, die wir gemeinsam mit unserer Tochter Worldline in Deutschland erzielen, entfallen mittlerweile weniger als 20 Prozent auf Arcandor. Dadurch können wir letztlich jedes Szenario verkraften."