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Wikinger waren sexy und modebewußt

26.02.2008
Von pte pte
Bunte Farben, seidene Tücher und körperbetonte Kleider - so haben sich die Wikinger in alten Tagen angezogen. Die schwedische Archäologin Annika Larsson von der Universität Uppsala http://www.uu.se hat viele der bisherigen Annahmen über den Lebensstil der Nordländer widerlegt. Archäologische Funde bestätigen, dass die Frauen sehr provokative Kleider trugen und die Männer eitel waren. Mit der Christianisierung habe sich allerdings der Kleidungsstil rapide geändert.

"Die Wikinger haben orientalische Elemente mit dem nordischen Stil kombiniert. Die Kleidung war auch so konzipiert, dass sie sowohl in den Häusern als auch am Feuer präsentiert werden konnte", erklärt Larsson, die Textilien rund um den Mälarsee untersucht hat. Die Umgebung des Sees, der eine Fläche von mehr als 1.100 Quadratkilometern hat, grenzt an Stockholm und Uppsala und gehört zu den zentralen Siedlungsgebieten während des Wikinger-Zeitalters von 750 bis 1050. Dieses Zeitalter könne allerdings nicht als eine gesamte Periode bezeichnet werden, betont die Forscherin. Die mittelalterliche Christianisierungsperiode hat Schweden nämlich bereits Ende 900 erfasst. Damit verschwand der orientalische Einfluss in der Kleidung. Durch die Erschließung neuer Handelswege gab es dann einen regen Austausch mit West-Europa sowie dem christlichen Byzanz.

"Textilforschung kann uns sehr viel mehr über den Status einer Gesellschaft erklären als die Untersuchung der Traditionen. Alte Rituale überleben manchmal die Veränderungen einer Gesellschaft. Werden allerdings Handelsrouten abgeschnitten, hat das sofortige Auswirkungen auf den Kleidungsstil", so die Forscherin. Die schwedische Wikingerin habe sich viel provokativer gekleidet, als wir das bisher angenommen haben. Auch Funde im russischen Pskov, nahe von Novgorod (dem ehemaligen Gorki), scheinen zu bestätigen, dass es solche Handelrouten gab.

Bisher waren Forscher davon ausgegangen, dass Wikinger-Frauen lange Kleider trugen, die aus rechteckigen Stoffteilen bestanden und die durch einen Gürtel zusammengehalten wurden. Funde aus Birka außerhalb Stockholms widerlegen diese Theorie. Vielmehr legt die Forscherin die Theorie nahe, dass es eine Art moderner Büstenhalter war, den die Frauen trugen und der die Brust betonte, indem jede einzelne mit einer Spange gehalten wurde. Die Kleider waren vorne offen. "Mit der Christianisierung verschwand diese Art der Kleidung, die auch an zahlreichen weiblichen Figuren festgestellt werden konnten", erklärt die Archäologin. Das könne einerseits darin liegen, dass die Christen eine starke Akzentuierung der Weiblichkeit verboten. Andererseits könnte diese Kleidung auch bei vorchristlichen Ritualen üblich gewesen sein und daher untersagt. (pte)