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Spendenaufruf

Wikileaks setzt wegen knapper Kassen Enthüllungen aus

25.10.2011
Die Krise von Wikileaks ist offiziell: Die Enthüllungsaktivisten um Julian Assange räumen ein, dass die Kassen leer sind.

Jetzt will Wikileaks erst einmal die "Blockade" durch Finanzdienstleister brechen und keine weiteren Dokumente mehr veröffentlichen.

Die Whistleblowing-Plattform Wikileaks braucht dringend Geld.
Die Whistleblowing-Plattform Wikileaks braucht dringend Geld.

Wikileaks steckt in Geldnöten: Die Enthüllungsplattform Wikileaks will bis auf weiteres kein neues Material mehr veröffentlichen und sich stattdessen auf das Aufbessern ihrer Finanzen konzentrieren. Das kündigte Gründer Julian Assange am Montag in London an. Wikileaks starte nun eine neue Spenden-Kampagne und wolle die "finanzielle Blockade" durch amerikanische Zahlungsdienstleister brechen. Wenn sich bis zum Jahreswechsel nichts ändere, werde Wikileaks nicht weitermachen können.

Die Aktivisten argumentieren, durch die Entscheidung von Zahlungsabwicklern wie Visa und Mastercard, keine Geschäft mehr mit Wikileaks zu machen, seien Finanzmittel in Millionenhöhe nicht mehr erreichbar oder hättten von Unterstützern gar nicht erst gespendet werden können. Assange sprach von 95 Prozent der Einnahmen. Wikileaks wolle gegen diese "Blockade" vor Gericht in Großbritannien, den USA, Island und Australien vorgehen.

Im Jahr 2010 hätten Sympathisanten im Schnitt um die 100.000 Euro pro Monat gespendet, inzwischen seien es nur noch um die 6000 bis 7000 Euro, sagte Assange. Der Boykott durch die Finanzdienstleister sei unrechtmäßig und politisch motiviert.

Faktisch läuft die Arbeit von Wikileaks allerdings schon seit langem auf Sparflamme. Die Aktivisten veröffentlichten in den vergangenen Monaten ausschließlich geheime Depeschen von US-Diplomaten aus dem Fundus, der ihnen in die Hände gefallen war. Spätestens nachdem die gesamte unverschlüsselte Datei mit der Korrespondenz in Umlauf gekommen war, erübrigten sich weitere Publikationen dieser Art. Assange hängt seit Monaten unter Aufsicht in Großbritannien fest, während über seine Auslieferung nach Schweden entschieden wird. Dort wird ihm sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Auch das Zerwürfnis zwischen Assange und dem einstigen Weggefährten Daniel Domscheit-Berg hatte die Arbeit der Enthüllungs-Website weitgehend paralysiert. Domscheit-Berg nahm bei seinem Ausstieg noch unveröffentlichtes Material mit, weil es bei Wikileaks und Assange nicht mehr sicher sei. (dpa/tc)