Wie grün ist SAP?

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Der Softwarekonzern erklärt Nachhaltigkeit zum strategischen Thema. Chief Sustainability Officer (CSO) Peter Graf soll die Umweltaktivitäten steuern.

CW: Wann hat die SAP festgestellt, dass sie einen CSO braucht?

GRAF: SAP hat schon vor langer Zeit damit begonnen, so genannte Grass-Roots-Bewegungen innerhalb des Unternehmens zu fördern. In den USA beispielsweise ist das Volunteering im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit sehr populär. Aber auch an den europäischen SAP-Standorten gibt es etliche Gruppen, die sich sozialen oder Umweltprojekten verschrieben haben.

CW: Welche konkreten Aufgaben nehmen Sie als CSO wahr?

GRAF: Wir befinden uns in einem Change-Management-Prozess. Dabei orchestriere ich die gesamten betriebswirtschaftlichen Funktionen, vom Marketing über den Vertrieb, die Produktentwicklung und den Service bis hin zum Partner-Management im Bereich Nachhaltigkeit. Wir haben in allen diesen Vorstandsbereichen Verantwortliche, die sowohl an den entsprechenden Abteilungsleiter als auch an mich berichten. Damit kann ich die Strategie unternehmensweit vorantreiben. Das Besondere an meiner Position ist, dass ich mich nicht nur um die internen Prozesse kümmere, sondern auch um unsere Produkte. Diese werden wir erweitern, um unseren Kunden nachhaltigeres Wirtschaften zu ermöglichen.

CW: Trotzdem erntet SAP in Sachen Nachhaltigkeit durchaus Kritik. Viele Anwendungen sind so komplex, dass sie unverhältnismäßig viel Rechenleistung beanspruchen und den Energiebedarf in die Höhe treiben, monieren Experten. Wie reagieren Sie darauf?

GRAF: Wir haben unseren Energieverbrauch und auch den unserer Kunden untersucht. Unser eigener Verbrauch führt pro Jahr zu einem Ausstoß von zirka einer halben Million Tonnen Kohlendioxid. Das ist sozusagen unser "Carbon Footprint". Betrachtet man den Kohlendioxidausstoß, den SAP-Systeme bei unseren Kunden verursachen, kommt man auf eine Menge von 50 Millionen Tonnen im Jahr. Diese Zahl ist vor allem im Vergleich mit dem gesamten Kohlendioxidausstoß unserer Kunden interessant. Hier reden wir über fünf Milliarden Tonnen, das heißt noch einmal das Hundertfache. Das bedeutet: SAPs eigener Footprint ist etwa zehntausendmal kleiner als der seiner Kunden.

CW: Der Begriff Green IT wirkt gerade in der derzeitigen Krise etwas abgenutzt. Sieht man sich die einschlägigen Initiativen von Unternehmen an, entsteht der Eindruck, dass das Thema nur dann interessant ist, wenn unterm Strich konkrete Einsparungen winken. Ist die Idee zum reinen Kostenthema mutiert?

GRAF: Man kann nicht davon ausgehen, dass Unternehmen aus eigenem Antrieb "grün" motiviert sind. Das Missverständnis allerdings lag in der Tatsache, dass viele Unternehmen nachhaltiges Wirtschaften als Luxus betrachteten. Im Moment setzt sich glücklicherweise die Erkenntnis durch, dass es sehr viele Dinge zu tun gibt, die sowohl der Umwelt oder der Gesellschaft helfen als auch wirtschaftlich nützlich sind.