Outsourcing von IT

Wer von Managed Services tatsächlich profitiert

Dipl.-Ing. Lars Janitz ist Executive Vice President und Leiter der neu geschaffenen Organisationseinheit Global Managed Services bei der itelligence AG mit Hauptsitz in Bielefeld. Janitz studierte Informationstechnik an der TU Chemnitz und begann seine Karriere bei der SRS in Dresden, einem Tochterunternehmen von SAP und Siemens und Nachfolger des bekannten IT-Herstellers Robotron. Schon frühzeitig übernahm er verantwortungsvolle Aufgaben im Service und Support und konnte diese Erfahrungen später nach der Integration in die SAP AG bei seiner Gesamtverantwortung für die Globalen Application Management Services nutzen und vertiefen. Als erfahrener Spezialist für Servicemanagement im SAP-Umfeld kam Janitz 2011 zu itelligence, wo er zunächst die Application Management Services in weltweiter Verantwortung leitete.
Nicht jedes Unternehmen will seine IT-Systeme von extern steuern lassen. Managed Services setzen ein Umdenken voraus – sowohl bei Dienstleistern als auch bei Kunden.

Sie passen nicht für jedes Unternehmen: Managed Services, Dienstleistungen eines externen Partners für den Betrieb und die Betreuung der IT-Anwendungen eines Unternehmens und dessen Endanwender. Große Organisationen mit großen IT-Abteilungen managen ihre IT-Systeme und -Anwendungen häufig selbst oder lagern Teile der IT komplett aus als "Full Outsourcing". Und trotzdem gilt zugleich: Der Bedarf an Managed Services wächst signifikant. Wo also ansetzen?

Zunächst einmal sind Managed Services nicht einfach nur eine Standardware, die sich ein Unternehmen von der Stange kaufen kann.

Managed Services setzen ein Umdenken voraus, weil sie einen qualitativen Unterschied sowohl zum Eigenbetrieb als auch zum vollständigen Outsourcing aufweisen. Es geht um die richtige Symbiose aus Eigenverantwortung und externer Unterstützung für Betrieb und Betreuung der eigenen IT-Landschaft.

Dabei steht zunächst die Frage im Mittelpunkt, welche Elemente des IT-Betriebs, also welche Prozesse, Applikationen und Systeme unternehmenskritisch sind und welche eher unterstützenden Charakter haben. Wichtig ist auch die Definierung des richtigen Grades der Beibehaltung des eigenen IT-Know-hows. Dies sollte eine möglichst effektive Balance zwischen Qualität und Risikominimierung sowie Kosteneffizenz zur Grundlage haben.

Freiwerdende Ressourcen nutzen

Sind diese Grundsatzfragen geklärt, existiert schon mal eine solide Basis, die IT-Landschaft oder eine Teilmenge durch einen externen Dienstleister betreiben, betreuen und optimieren zu lassen - Managed Services. Neben der genannten Kosteneffizienz ist dabei die Möglichkeit, freigewordene IT-Kapazitäten im eigenen Unternehmen auf die eigenen Kernkompetenzen und IT-Innovation zu fokussieren, ein wichtiger Mehrwert dieser Services.

Anbieter von Managed Services sind heute mehr gefordert als je zuvor. Qualitativ hochwertige und effiziente Rechenzentren sowie Expertise im Applikations- und Service-Management allein reichen nicht mehr aus. Branchen-Kompetenz, tiefes technologisches Verständnis und gemeinsame Optimierung und Weiterentwicklung der IT-Landschaft mit dem Kunden sind nicht mehr wegzudenkende Kriterien für einen erfolgreichen Managed Services Anbieter.

Nur wem es gelingt, die IT des Kunden dabei zu unterstützen, deren Wertbeitrag für das Unternehmen spürbar zu steigern, hat Chancen auf eine langfristige Partnerschaft mit dem Anwenderunternehmen.

Erste Anwärter: HR und Finanzbuchhaltung

Standardprozesse wie das Personalwesen oder die Buchhaltung sind meist erste Anwärter für Managed Services. Bei einer sorgfältigeren Analyse können sich jedoch auch Prozesse als geeignet herausstellen, die gerne zu den "Assets" eines Unternehmens gerechnet werden. Ein Beispiel dafür ist die Logistik. Hier findet auch im deutschen Mittelstand schon seit ein paar Jahren ein Umdenken statt. Um aber die gesamten Logistik-IT-Prozesse als Managed Services an einen Dienstleister zu übertragen, werden Partner benötigt, die die entsprechende branchenspezifische Logistik-Kompetenz mitbringen. Logistik für Lebensmittel unterliegt anderen Parametern als Logistik für Fertigungsunternehmen oder Krankenhäuser.

Selbstverständlich sind Managed Services kein Selbstzweck. Im Zuge der stetig steigenden Komplexität der IT nimmt ihre Bedeutung weiter zu. Noch vor fünfzehn oder zwanzig Jahren genügte meist ein einfaches Betriebsmodell für R/3. Die heutige Vielfalt allein an SAP-Produkten-, -Lösungen, Fragen nach Cloud oder nicht Cloud und nicht zuletzt mobile Lösungen und Datenanalyse sowie der zunehmende Druck bezüglich Wertbeitrag der IT für die Wertschöpfung des Unternehmens illustrieren diese Komplexität und die damit verbundenen Anforderungen recht anschaulich.