Burgerkette verdrängt Amazon

Weltweite SCM-Anwender-Rangliste von Gartner

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
McDonald’s schiebt sich hinter und vor Amazon auf den zweiten Platz des Lieferketten-Rankings von Gartner. Noch höher bewerten die Analysten aber die Fortschritte von Unilever und Intel. Ein aktueller Trend ist momentan die Suche nach Synergien in den Datenströmen.

Apple, McDonald’s und Amazon setzen nach wie vor weltweit die Maßstäbe beim Management von Lieferketten. Das geht aus einer Rangliste von Gartner hervor, die wie in den Vorjahren die 25 erfolgreichsten Unternehmen im Supply Chain Management (SCM) aufführt. Die Fast Food-Kette hat im Vergleich zum Vorjahr den Internethändler vom zweiten Platz verdrängt.

Die ersten 15 Firmen aus Gartners neuem Ranking.
Die ersten 15 Firmen aus Gartners neuem Ranking.
Foto: Gartner

Bemerkenswert am globalen Ranking ist zum einen der satte Vorsprung, den Apple in diesem Bereich auf die Elite der Weltfirmen hat: 9,51 Indexpunkte gegenüber lediglich 5,87 bei McDonald’s, dahinter geht es in einer deutlich moderateren Staffelung weiter. Zum anderen ist hervorzuheben, dass Unilever (im Vorjahr 10.) und Intel (im Vorjahr 7.) Dell (jetzt 11.) und Procter & Gamble (jetzt 6.) aus den Top Five verdrängten. Erwähnenswert ist das zwar schon deshalb, weil es die beiden zentralen Veränderungen im Vorderfeld der Liste sind. Nebenbei bemerkt positioniert sich Unilever damit erneut als bestes europäisches Unternehmen beim SCM, der Aufstieg unter die ersten Fünf signalisiert dabei durchaus das Aufholen europäischer Firmen gegenüber den Platzhirschen aus den USA.

Spannend an Unilever und Intel ist aber vor allem, dass die beiden Unternehmen mit klarem Abstand die größte Wertschätzung von Seiten der Analysten selbst erhalten. Diese macht aber nur ein Viertel der Gesamtwertung aus. Genauso stark gewichtet werden die Beurteilung der Aktivitäten durch andere Firmen – dafür wurden von Gartner 172 Unternehmen um ihre Meinung gebeten – und – als wichtigste objektive Größe – der Return on Assets (ROA) über drei Jahre hinweg, als der Ertrag der eingesetzten wirtschaftlichen Ressourcen. Daneben fließen der Güterumschlag und das Umsatzwachstum über drei Jahre in die Rangliste mit ein.

Ein hoher methodischer Aufwand also. Gartner betreibt ihn, um anhand der zweifellos bei SCM und insgesamt erfolgreichen Firmen aufzuzeigen, wie Lieferketten aktuell am besten gesteuert werden. Das geschieht einerseits anhand der Best Practices, für die jedes Unternehmen in der Liste ein Beispiel abgibt. Andererseits dadurch, dass die Analysten aus diesem Material allgemeine Trends und Empfehlungen herausfiltern. Momentan beobachtet Gartner drei Schlüsseltrends: Erstens finden die Vorreiter Synergien zwischen verschiedenen Best Practices; zweitens werden Partnerschaften produktiver in Wachstum umgesetzt; drittens werden die talentiertesten Köpfe beim SCM auf und zu neuen Wegen inspiriert.

Visibilität und Netzwerk-Optimierung

Die Performance-Grenze verschiebe sich, meint Gartner. Bei der Lieferketten-Transformation seien viele Unternehmen noch mit notwendigen Grundlagen beschäftigt: dem Aufbau von End-to-End-Supply Chain über Business-Grenzen hinweg mit einem Fokus auf verbesserten Funktionalitäten und der Schaffung übergreifender Systeme und Prozesse. Fortgeschrittene Firmen sind laut Gartner demgegenüber bei Initiativen zur Segmentierung, Simplifizierung, Cost-to-Serve-Analyse, mehrstufiger Visibilität und Netzwerk-Optimierung angekommen. Die Vorreiter indes schöpfen längst aus einem Füllhorn, das durch Synergien entsteht. Dafür nur ein Beispiel: Cost-to-Serve-Daten können in einer Region oder einem Geschäftsfeld der Senkung von Lager- und Transportkosten dienen; anderswo eröffnen sie aber möglicherweise neue Optionen zur Feinabstimmung von Geschäftsbedingungen und zur Reduzierung von Komplexität. Die Top-Unternehmen nutzen bereits derartige Potenziale.

Darüber wird laut Gartner in Firmen wie Cisco, Intel, Unilever oder Starbucks SCM nicht mehr vorrangig als Mittel zur Kostendämpfung verstanden, sondern als Flankierung von Wachstumsstrategien. Das Beschaffungswesen in diesem Unternehmen erledige sein Kerngeschäft quasi nebenbei; darüber hinaus kreisten die Gedanken aber vorrangig darum, wie durch abteilungsübergreifende Zusammenarbeit nachhaltiges Wachstum stimuliert werden kann. Gartner nennt als Beispiel interner Partnerschaften Teams mit Mitarbeitern aus IT, Vertrieb, Marketing und Operations, die gemeinsam Eintrittsstrategien für neue Märkte entwickeln. Das beinhaltet unter anderem auch die Verständigung auf die vor Ort benötigte SCM-Infrastruktur.

Gartners dritte Trend-Beobachtung sind neue Wege eher bei der Talentaktivierung als bei der Talentsuche. Dass durch ausgeweitete Kooperationen mit Universitäten, Personalrotation, spezifisch auf SCM ausgerichtete Karrierepläne und Führungskräfteschulungen sowie Lernoptionen auf diversen Kanälen Nachwuchs für Laufbahnen in der Lieferkette rekrutiert und getrimmt wird, ist nach Wahrnehmung der Analysten nur die eine Seite der Medaille. Zugleich wollen die Vorreiter unter den Firmen offenbar mehr und zielen auf die Motivation ab: „Für sie geht es darum, die Herzen und nicht nur die Köpfe zu gewinnen", so Gartner. Leidenschaft und Begeisterung für die SCM-Arbeit sollen demnach geweckt werden – mehr eben als bloße Pflichterfüllung. Das klingt gewiss arg amerikanisch und soll konkret geschehen, indem individuelle Aktivitäten mit größeren Zielen verknüpft werden und über gesellschaftliche Verantwortung – zum Beispiel auch für die Mitarbeiter von Zulieferern – aufgeklärt wird.

Gartner gibt Anwendern Tipps

Foto: Hunor Focze, Shutterstock.com

Aus diesen Trendbeobachtungen leitet Gartner seine Handlungsempfehlungen ab. Nach der Harmonisierung von grundlegenden Prozesse, Datenstrukturen und Basis-Lösungen für die weltweite Lieferkette sollte ein neues Performance-Niveau angestrebt werden. Und zwar durch Funktionen wie End-to-End-Segmentierung, Cost-to-Serve-Analytics, Visibility auf verschiedenen Ebenen und Optimierung des Liefernetzwerkes. IT-Mitarbeiter sollen Teil abteilungsübergreifender Teams werden, die gemeinsam neue Marktpotenziale ausloten. Und der Nachwuchs sollte laut Gartner im beschriebenen größeren Rahmen motiviert werden.

Das Ranking „The Gartner Supply Chain Top 25 for 2013" ist auf der Gartner-Website abrufbar. Voraussichtlich im Spätsommer folgt eine ausführliche und regional aufgeschlüsselte Analyse.