Netz-Virtualisierung

Welches As hat Nicira im Ärmel?

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Das US-Start-up Nicira hat schon 40 Millionen Dollar Venture Capital bekommen und arbeitet noch im Stealth Mode.

Trotzdem wird Nicira schon jede Menge Aufmerksamkeit zuteil, aktuell durch einen Bericht in der "New York Times". Dem zufolge man das Unternehmen unbedingt im Auge behalten muss - es entwickelt offenbar Technik zur Virtualisierung von Netzen, die potenziell das Geschäft der Platzhirsche wie Cisco, Juniper oder Hewlett-Packard bedroht. Was genau diese kann, ist allerdings noch ein ziemliches Geheimnis.

Zumindest hat der japanische Telefonriese NTT im August eine Pressemeldung herausgegeben und darin angedeutet, dass er mit der Software von Nicira die Aufgaben von tausenden Rechnern im laufenden Betrieb von einem Gebäude in ein anderes verlagern konnte - und zwar ohne jegliche Planung oder Konfiguration. Offenbar geht es um ein zentrales Problem in der entstehenden Welt des Cloud Computing: Wie bewegt man Daten schnell und effizient rund um den Globus?

Daran arbeiten natürlich Spezialisten bei Google und Amazon, aber für die meisten Unternehmen sei dergleichen zu schwierig und zu teuer. Womöglich aber nicht mehr lange. "Mit uns können Sie mehr wie Amazon sein, mit einer Plattform für Innovation, mit der Sie gleichzeitig noch Geld sparen", sagt Nicira-Chef Steven Mullaney. "Den Leuten geht es im Augenblick vor allem um die Geschwindigkeit ihres Geschäfts. Wir werden eine Menge Service Provider in die Lage versetzen, stärker wie Amazon zu agieren."

Ein Diagramm zu der NTT-Meldung lässt vermuten, dass die Software von Nicira vorhandene Netzhardware ähnlich zu virtualisieren vermag wie VMware das mit Servern getan hat (VMware-Mitgründerin Diane Green gehört übrigens zu den Geldgebern für Nicira, zusammen mit Andreessen Horowitz, Lightspeed Ventures und New Enterprise Associates). Die leitenden Entwickler des Unternehmens hat CEO Mullaney unter anderem bei VMware, Google, Juniper und Cisco rekrutiert.

Vor sechs Monaten wurde der "NYT" zufolge bereits bei Nicira in Palo Alto eingebrochen und ein Notebook mit wichtigen Informationen aus der Entwicklung gestohlen. Mullaney zufolge handelte es sich dabei allerdings nur "um sehr frühes Zeug, kein Vergleich zu dem, was wir heute haben". Insider vermuten hinter dem Einbruch Industriespionage durch eine ausländische Regierung.

Durchaus denkbar, denn Niciras aktueller Chief Technology Officer Martin Casado arbeitete schon vor Jahren im Lawrence Livermore National Laboratory an Netzsicherheit. Seinerzeit traten US-Geheimdienste an ihn heran mit der Frage, wie man ein weltweites Netz betreiben und dabei kontinuierlich die Stufen von Sicherheit und Autorisierung verändern könne.

"Sie brauchten etwas, das immerzu flexibel wäre", erläutert CEO Mullaney. "Das konnte er [Casado] nicht, also ging er nach Stanford, um dieses Problem zu lösen." Und während seiner Zeit in Stanford begann Casado dann die Arbeit mit dem, was einmal Nicira werden sollte, gemeinsam mit dem Stanford-Professor Nick McKeown und dem Berkeley-Professor Scott Shenker.

Wir werden die weitere Entwicklung von Nicira im Auge behalten und Sie diesbezüglich auf dem Laufenden halten.