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Weitere Entlassungen bei Baan

29.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Knapp zwei Monate, nachdem Baan von seinem Wettbewerber SSA Global Technologies übernommen wurde, sollen bei dem niederländischen ERP-Anbieter fast 800 der insgesamt 2800 Stellen gestrichen werden. Einige Kunden fürchten nun, dass mit den Mitarbeitern auch wertvolles Know-how das Softwarehaus verlässt.

Insider-Kreisen zufolge werden am heutigen Freitag zwischen 240 und 250 der insgesamt rund 850 Mitarbeiter in den Niederlanden ihre Kündigung erhalten. Diese Zahl wurde auch vom neuen Baan-President Graeme Cooksley in einem Interview mit dem niederländischen Wirtschaftmagazin "FEM Business" bestätigt. Sein Vorgänger Laurens van der Tang ist einer von Baans Topmanagern, die das Unternehmen nach der Verschmelzung mit SSA GT verlassen.

Laut Heath Tipton, Chairman der Baan-Usergroup in Großbritannien und Irland (www.baanusers.co.uk), zählen die Kunden darauf, dass der neue Baan-Besitzer SSA GT die Stellenstreichungen nicht auf Kosten des Supports gehen lässt. Tipton bezeichnete die Personal- und Sparmaßnahmen als relativ aggressiv, wenngleich die wirtschaftlichen Beweggründe dafür nachvollziehbar seien. Er erwarte jedoch, dass durch den Stellenabbau die Leistungen für die Baan-Kunden nicht beeinträchtigt werden. "Hoffentlich folgt nun eine echte Konsolidierung sowie ein Ausbau der Baan-Produktlinie innerhalb von SSA GT", so Tipton.

Invensys hatte Baan im August 2000 für 708 Millionen Dollar übernommen und in seine Sparte Production-Management eingegliedert. Um profitabel zu werden und seinen Schuldenberg abzubauen, schrieb der britische Mischkonzern Baan neben weiteren Geschäftsfeldern Mitte April diesen Jahres zum Verkauf aus. Anfang Juni wurde dann bekannt, dass eine Investment-Gruppe, bestehend aus Cerberus Capital Management und General Atlantic Partners (GAP), für einen Preis von 135 Millionen Dollar den Zuschlag für Baan erhalten hat. Die Softwareschmiede wurde SSA GT zugeteilt, ebenfalls mehrheitlich im Besitz der Investoren. (mb)