RedDot Days 2007

Web Content Management und Web 2.0 gehören zusammen

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Nach der Übernahme durch den ECM-Hersteller Open Text gibt sich der Web-Content-Management-Spezialist RedDot Solutions betont eigenständig. Die Angebote beider Unternehmen rücken indes zusammen und sollen künftig Lösungscharakter haben.
Rund 450 Besucher kamen zu den RedDot Days nach Köln.
Rund 450 Besucher kamen zu den RedDot Days nach Köln.

Ein Jahr ist es vergangen, seit Open Text den Konkurrenten im Softwaremarkt für Enterprise Content Management (ECM) Hummingbird in einer feindlichen Übernahme zu sich holte. Damals wechselte auch das Oldenburger Softwarehaus RedDot Solutions, das zuvor von Hummingbird gekauft worden war, den Eigentümer. Auf der diesjährigen Kundenveranstaltung "RedDot Days" in Köln zogen nun Firmenvertreter Bilanz. So erklärte Vorstandsvorsitzender Daniel Kraft vor rund 450 Gästen die Integration in die Open-Text-Organisation als weitgehend gemeistert. Als "Open Text Web Solutions Group" sei man nun weltweit allein verantwortlich für das Geschäft mit Web Content Management (WCM) Software und habe auch Mitarbeiter von Open Text in den eigene Reihen: "Es wird nicht mehr nach Herkunft der Mitarbeiter unterschieden".

Etwa 70 Prozent der Umsätze stammten nicht mehr aus Deutschland, so Manager Kraft im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. Allein in den USA generiere man mittlerweile genauso viel Umsatz wie in Deutschland. Auch sei es gelungen, Lizenzen an bisherige Open-Text-Kunden zu verkaufen: Pro Quartal kommen vier bis fünf Kunden aus diesem Umfeld hinzu. Mittlerweile mache man 50 Prozent des Umsatzes mit Großkunden, 50 Prozent mit Mittelständlern (eine Million bis eine Milliarde Umsatz). "Dennoch hängt noch das Image eines Mittelstandsanbieters an, obwohl wir von den Kunden her und technisch weiter sind. Ein Beispiel hierfür sei auch, dass RedDot der bei weitem wichtigste WCM-Anbieter für SAP-Kunden sei und mehr Installationen als die Konkurrenz vorzeigen könne (siehe auch "RedDot Solutions will hoch hinaus").

Nach Kritik seitens der Kunden, von denen es in Deutschland rund 1200 gegen soll, habe man in den letzten zwölf Monaten den Service und Support ausgebaut und die Position eines Chief Technology Officers geschaffen. Rund 250 WCM-Spezialisten stünden bereit und in die Produktentwicklung soll mehr investiert werden. Anders als Hummingbird, dessen Name verschwunden und dessen Produkte im Open-Text-Portfolio aufgegangen sind, glaubt RedDot auch künftig eine Sonderrolle im ECM-Konzern spielen zu können. Die deutsche "RedDot User Group", in der etwa 100 Kunden organisiert sind, ist dann auch zufrieden mit der Entwicklung von RedDot. Open Text habe die vor einen Jahr gemachten Versprechen bezüglich der Rolle von RedDot eingelöst, sagte Dirk Langenheim gegenüber der COMPUTERWOCHE. "Man hat das Gefühl, dass RedDot weiter RedDot sein darf". Die Stimmung unter den Anwendern sei positiv, aber nicht unkritisch. Anders als das Management des Herstellers wäre es für Langenheim durchaus denkbar, dass die Produkte von RedDot letztlich zu Komponenten des ECM-Portfolio von Open Text würden und damit auch die Oldenburger ihre Sonderstellung verlieren könnten: "Ich würde meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass RedDot auf Dauer selbstständig bleibt. Dies muss aber für Kunden nicht negativ sein".

Tatsächlich haben Open Text und RedDot in den vergangenen Monaten nicht nur an einer besseren Kopplung zwischen den Produkten "RedDot CMS" (Redaktionssystem) und "RedDot Live Server" (Umgebung für Staging und Persoanlisierung von Content) gearbeitet, sondern auch die Plattform für ECM und Collaboration "Open Text Livelink" angebunden gearbeitet. Um dies zu fördern, erhalten Unternehmen beim Kauf von RedDot CMS mittlerweile eine vergünstigte Lizenz für Livelink geboten. Für das bisherige Produkt "RedDot XCMS", das für einen kollaborativen Ansatz im Dokumenten-Management steht und mit Open Text Livelink konkurriert, kommt hingegen das Aus. "Das nächste Release von XCMS ist Liveklink", sagte Langenheim. Allerdings seien hierzulande nur wenige Anwender vom stillen Ende von XCMS betroffen.

Änderung der Produktstrategie

RedDot-Vorstand Daniel Kraft kündigte tiefgreifende Veränderungen in der Produktstrategie an.
RedDot-Vorstand Daniel Kraft kündigte tiefgreifende Veränderungen in der Produktstrategie an.

Zugleich nutzte der Hersteller die Veranstaltung um seine Kunden auf "fundamentale Veränderungen" in der Produktstrategie einzustimmen. Sind WCM-Lösungen bisher vor allem für das Erstellen und Publizieren von Webseiten gedacht sollen sie künftig auch vorhandene Dokumente aus Unternehmensanwendungen und Inhalte etwa aus sozialen Netzwerken und Blogs verwalten und veröffentlichen. Dies setzt eine engere Einbindung in die Arbeitsabläufe des Unternehmens und mit dem Web voraus: "Es zeichnet sich in Unternehmen ein deutlicher Wandel von transaktionsorientierten Prozessen hin zu kollaborativen Prozessen ab", sagte Vorstand Daniel Kraft. Die kommenden Monate stehen daher im Zeichen einer weitergehenden Integration der Produkte RedDot CMS und RedDot Live Server in die Unternehmenslandschaft (Repositories) und das ECM Portfolio rund um Open Text Livelink. Auch ist ein Ausbau der bisherigen Web-2.0-Komponenten wie Wiki und Blog beziehungsweise Funktionen für gemeinsames Tagging (Aufbau von Folksonomies) oder Voting vorgesehen. Sämtliche Inhalte werden dabei über das WCM-System verwalten und durch weiteren Content ergänzt. Dadurch ließen sich integrierte Unternehmenslösungen aufbauen.

Anwender müssen sich bereits ab dem nächsten Jahr mit "Web Content Solutions" auseinandersetzen. Nicht mehr die bisherigen WCM-Produkte stehen dann im Vordergrund, sondern sie sollen zusammen mit alten und neuen Erweiterungen (Web Komponenten) als "Lösungen" für diverse Anwendungsszenarien im Content Management vermarktet werden. Zahlreiche Neuerungen gehen mit dieser Ankündigung und der Version 8.0 von RedDot CMS einher, die als "Web Content Suite" in der erste Hälfte 2008 auf den Markt kommen soll. Die Arbeiten werden sich aber bis in das Jahr 2009 fortsetzen. Laut Lars Onasch, Director Product Marketing bei RedDot, finden sich die Änderungen sowohl in der Verwaltung, der Integration und der Optimierung der WCM-Software. So geht es in puncto Management unter anderem darum "Content erlebbarer zu machen". Dies sollen zusätzliche Web-Komponenten für Web 2.0, den breiteren Einsatz von Suchfunktionen, Technik für die Content-Analyse (beispielsweise für ein Ranking von Inhalten) sowie vor allem eine überarbeitete Ausgabe des Editors "SmartEdit" bewirken. Weitere Neuerungen sind ein besser gestaltetes Staging von Inhalten und eine Integration in "Microsoft Visual Studio".

Öffnung für andere Repositories

Bezüglich der Integration der Produkte ist geplant, die Repositories von "Artesia" (Open Text), der Dokumenten-Management-Software "SAP DVS" sowie "Microsoft Office Sharpoint Portal Server" umfassender nutzen zu können. Technisch erfolgt künftig die Einbindung von Inhalten in das WCM-System mit Hilfe der Komponente "RedDot Content Integrator", der noch dieses Jahr erhältlich sein soll. Über deren Web-Client können Anwender auf verschiedene Repositories zugreifen, ohne die Oberfläche wechseln zu müssen, erklärte Manager Onasch.

Speziell für die SAP-Integration sei ferner die neue Navigationsoberfläche "Portal Navigation Manager" sowie die Nutzung von "SAP Knowledge Management" als alternatives Repository anvisiert. Beispiele für neue Möglichkeiten zur Optimierung der WCM-Lösungen sind die genannte "volle Integration" der Web-2.0-Techniken basierend auf dem RedDot Live Server, die Technik für Content-Auswertungen und ein neues Metadaten-Konzept. Letzteres soll um Möglichkeiten eines automatisches Klassifizierens von Inhalten und den Einsatz von Taxonomien Inhalte individueller nutzbar und auffindbar machen.

Migration wird aufwändiger

Auf Anwender, die die WCM-Software nicht mehr nur als Redaktionssystem, sondern auch als Teil eines Content-zentrierten Workflows in Unternehmen und als Speerspitze für Web-2.0-Anwendungen im Intranet verwenden wollen, kommt indes viel Arbeit zu. So betont Dirk Langenheim von der User Group, dass es sich bei der Einführung von der Version 8.0 (oder Web Content Suite) um eine tiefgreifende Veränderung in der Software handelt. Für die letzten Versionen der WCM-Software war der Migrationsaufwand für bestehende Projekte vergleichsweise gering gewesen.

Gleichzeitig wurden von Version zu Version nur eine überschaubare Anzahl neuer Funktionen und Technologien eingeführt, die es in den Projekten zu nutzen galt. So ist es selbst heute durchaus noch möglich, ein RedDot-Projekt auf einen RedDot CMS in der Version 7.5 zu betreiben, das technisch weitestgehend auf dem Stand der RedDot Version 4.0 ist. Mit der nächsten Version werden hingegen grundsätzlich größere Anforderungen an bestehende Projekte gestellt. Die Migration wird seitens RedDot zwar technisch unterstützt, dennoch werden Anwender mit Sicherheit "alte Zöpfe" abschneiden müssen. Langenheim erwartet daher, dass es eine Weile dauern wird, bis sich alle neuen Funktionen reibungslos einsetzbar lassen. Auch entstehe Schulungsaufwand für Redakteure und Entwickler.