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Wiki-Erfinder

Ward Cunningham denkt seine Idee weiter

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Ward Cunningham hat das Wiki erfunden und damit eine Menge verändert und möglich gemacht. Jetzt denkt er das Konzept entscheidend weiter.
Ward Cunningham setzt jetzt auch für die Wiki-Idee auf Federation.
Ward Cunningham setzt jetzt auch für die Wiki-Idee auf Federation.
Foto: Carrigg Photography for the Wikimedia Foundation (CC BY-SA 3.0)

Ein Wiki ist ja vereinfacht gesagt eine Website, auf der jede Seite einen Edit-Button hat und jeder Besucher die Inhalte ändern kann. Das Dumme daran ist nur, dass die Inhalte immer beim Betreiber des jeweiligen Wikis liegen und liegenbleiben. Der Autor einer Änderung besitzt und kontrolliert seinen Beitrag also nicht. Und wenn zum Beispiel das Wiki ausfällt oder der Betreiber es dichtmacht, dann ist er nicht mehr zugänglich.

Deswegen ist Ward Cunningham jetzt auf das "Federated Wiki" gekommen, wie "Wired" berichtet. Dessen entscheidende Neuerung lässt sich mit dem Code-Repository Github vergleichen, wo Softwareentwickler nicht nur gemeinsam an Projekten arbeiten, sondern diese auch jederzeit "forken" und damit ganz neue Kollaborationen anstoßen können.

Auch beim "Smallest Federated Wiki", das Cunningham zu Demozwecken entwickelt hat, gibt es nun auf jeder Unterseite einen "Fork"-Button. Wer künftig auf einem fremden Wiki diesen Knopf drückt, der kopiert damit gleich einmal diese Seite in sein eigenes und kann sie dann dort editieren. Der Besitzer der ursprünglichen Seite wiederum kann dann entscheiden, ob er die Änderungen dort übernimmt oder nicht. In jedem Fall ist beim Original auch eine Liste der Forks einsehbar. Auch wenn Änderungen auf der Ursprungsseite nicht übernommen werden, können Besucher also alle abgewandelten Inhalte auffinden.

Den großen Vorteil des Federated-Wiki-Konzepts sieht Code-for-America-Fellow Max Ogden, der Cunningham bei der Weiterentwicklung beraten hat, darin dass es Dissens ermöglicht. "Wikipedia zwingt Dich dazu, Deine eigene Perspektive aufzugeben", sagt Ogden. Bei umstrittenen Themen könne damit jeder seine eigene Version der kontroversen Seite haben. "Und die sind alle miteinander verknüpft, so dass man sie immer noch wie ein Wiki durchstöbern kann."

Ob sich ein solches Konzept wirklich durchsetzen kann, ist allerdings fraglich. Es setzt nämlich unter anderem voraus, dass jeder auch seine eigene Infrastruktur mit unter anderem eigenem Webserver betreibt. Für The Smallest Federated Wiki gibt es immerhin schon einen One-Click-Installer für ein Deployment bei Amazon Web Services.