Fest oder frei?

Wann sich Freiberufler für Unternehmen lohnen

Hans Königes
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
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Dauern Projekte nicht länger als 25 Monate, lohnt sich der Einsatz von Freiberuflern. Diese schneiden im Kosten-Nutzen-Vergleich besser ab als Angestellte, die neu rekrutiert werden, so eine aktuelle Studie.

Freelancer sind mittlerweile eine etablierte Säule der Personalplanung – und das nicht nur in Großunternehmen. Besonders im IT-Bereich setzen auch Mittelständler zunehmend auf das Expertenwissen von Freelancern. Und entgegen der gängigen Faustregel, dass deutsche Unternehmen rund zehn Prozent des Bedarfs an IT-Personal mit Selbständigen abdecken, sind es laut dieser Befragung eher 20 Prozent. 70 Prozent der befragten Führungskräfte schätzen, dass der Anteil von IT-Freelancern in den nächsten drei Jahren gleich bleibt oder sogar weiter ansteigt.

Freie oder feste Mitarbeiter?

Für Arbeitgeber stellt sich dabei regelmäßig die Frage, welches die bessere Recruiting-Strategie ist: Mitarbeiter für die klassische Festanstellung zu suchen oder freiberufliche Experten zu engagieren. „Für Unternehmen geht es im Recruiting immer auch um die Wirtschaftlichkeit", so Matthias Hamann, Professor an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein und Leiter des Studiengangs Internationales Personalmanagement und Organisation. „Diese beeinflusst wesentlich, welche Beschäftigungsformen zukünftig gewählt werden."

Eine knifflige Frage: wie läßt sich der Wert von Freiberuflern für Unternehmen ermitteln?
Eine knifflige Frage: wie läßt sich der Wert von Freiberuflern für Unternehmen ermitteln?
Foto: Marco2811 - Fotolia.com

Die Studie arbeitet mit zwei Berechnungsmodellen zur Vergleichbarkeit der Kosten und der Produktivität von Festangestellten und Freelancern. Das konservative Modell lässt die Rekrutierungsdauer, das heißt den Zeitraum vom Feststellen des Bedarfs bis zum tatsächlichen Arbeitsbeginn des festangestellten Mitarbeiters respektive Freelancers, als Kostenfaktor außer Acht. Dennoch weist mit diesem Berechnungsverfahren der Freelancer für einen Zeitraum von bis zu acht Monaten ein günstigeres Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zu einem Festangestellten auf. Das progressive Modell berücksichtigt auch das Rekrutierungsverfahren. Nach diesem Modell ergibt sich ab dem 26.Monat eine vorteilhaftere Korrelation für den Mitarbeiter in Festanstellung.

Unter Berücksichtigung der Rekrutierungskosten sind IT-Freelancer bis zu 25 Monate lang gegenüber Festangestellten im Kosten-Nutzen-Vorteil.
Unter Berücksichtigung der Rekrutierungskosten sind IT-Freelancer bis zu 25 Monate lang gegenüber Festangestellten im Kosten-Nutzen-Vorteil.
Foto: Etengo

66 Prozent der Befragten geben an, dass ein Freelancer schneller produktiv wird als ein Festangestellter. Nach Einschätzung der Mehrheit der Befragten benötigt ein IT-Freelancer im Durchschnitt einen Monat bis er produktiv arbeitet, ein Festangestellter dagegen drei Monate. Als produktiv galt in der Erhebung ein Mitarbeiter, der eigenständig und ohne wesentliche Rückfragen Aufgaben in gewünschter Qualität und in vorgegebener Zeit löst. „Freelancer sind es gewohnt, sich schnell in neue Aufgaben einzuarbeiten, das könnte ein wichtiger Grund sein, weshalb sie beim Produktivitätsbeginn die Nase vorn haben", meint Romana Reeb, Master-Studentin an der FH Ludwigshafen und Autorin der Studie. Außerdem werden ihnen noch andere Stärken zugeschrieben. Viele Befragten gaben beispielsweise im Vorfeld der Studie an, dass Freelancer über eine ausgeprägte Problemlösungskompetenz verfügten und im Hinblick auf ihr Fach- und Anwendungswissen Festangestellten oft überlegen seien.

Freelancer- Studie

Die Studie „Freelancer vs. Festangestellter in der Projektwirtschaft – ein empirischer Investitionsvergleich" wurde an der Fachhochschule Ludwigshafen am Lehrstuhl für International Human Ressource Management bei Professor Matthias Hamann im Zuge einer Masterthesis im Auftrag des Personaldienstleisters Etengo geschrieben. 5009 Personen aus Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen beantworteten einen Online-Fragebogen. 80 Prozent der Befragten sind in Großunternehmen beschäftigt, 18 Prozent bei mittelgroßen Unternehmen und zwei Prozent in Kleinunternehmen. 347 Personen haben den Fragebogen angeklickt, 257 Personen haben ihn teilweise und 98 Personen vollständig beantwortet. Die Studienteilnehmer haben in den letzten zwei Jahren sowohl mit IT-Freelancern als auch mit festangestellten IT-Mitarbeitern zusammengearbeitet. Nicht alle Aussagen der Studie können beanspruchen, repräsentativ zu sein, insgesamt liefert die Studie jedoch eine solide und empirisch gut unterfütterte Trendaussage.

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k.boehm@huxley.com
Wäre interessant welche Kostenverhältnis (Festerangestellter vs. Freelancer) zugrunde liegt. Dies kann nämlich je nach Fach und Spezialisierung extrem variieren. Bspw. gibt es Freelancer die effektiv doppelt so teuer sind wie Festangestellte, bei anderen liegt der Aufschlag eher im Bereich von 50 % o.ä.

barheine
Ein ganz wesentlicher Vorteil besteht auch darin, dass wir Freiberufler unternehmerisch denken und handeln müssen, während bei Festangestellten die Entwicklungskosten und der Markt manchmal aus dem Blick verlorengehen zu scheinen. Zumindest ist das der Eindruck, der sich bei mir in den vergangenen 15 Jahren meiner Tätigkeit als freier Berater und Entwickler verfestigt hat.

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