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Vorstände segnen Fusion von Telecom Italia mit Olivetti ab

16.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Rund einen Monat nach Bekanntgabe der Pläne hat die Führung von Telecom Italia der Fusion mit ihrer hochverschuldeten Konzernmutter Olivetti zugestimmt. Ziel der Maßnahme ist es, die Eigentümerstruktur zu vereinfachen, um neue Investoren zu finden. Die Kleinaktionäre des TK-Konzerns fühlen sich jedoch nach wie vor bei dem dazu beabsichtigten Aktientausch über den Tisch gezogen. Der Grund: Das bei dem neun Milliarden Euro schweren Deal angebotene Tauschverhältnis von sieben Olivetti-Papiere pro Telecom-Italia-Aktie erscheint ihnen als zu gering. Außerdem werfen sie dem Verwaltungsratsvorsitzenden Marco Tronchetti Provera vor, nicht nur die Interessen von Telecom Italia verfolgen. Grund: Provera ist gleichzeitig Chef des Mischkonzerns Pirelli.

Die Aktionärsschutzvereinigung Deminor, die inzwischen rund zehn Prozent der Anleger des italienischen Carriers vertritt, kündigte an, zur Not auch rechtlich gegen die Fusion vorzugehen. Bislang ist allerdings unklar, wie es Deminor anstellen will, den Zusammenschluss noch zu verhindern. Ende Mai sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Transaktion abstimmen. Um die Fusion vornehmen zu können, wird die Zustimmung von zwei Drittel der anwesenden Anleger benötigt. Da Olivetti über 55 Prozent der Telecom-Italia-Anteile verfügt, bleibt der Gegenseite nur wenig Handlungsspielraum. Allerdings, so ein Deminor-Sprecher im Gespräch mit dem "Wall Street Journal", könne bis zur Hauptversammlung noch eine ganze Menge passieren.

Von den rebellierenden Kleinaktionären unter Druck gesetzt, hat Telecom Italia bereits früher im Monat zusätzlich zu Ernst & Young noch Deloitte & Touche als weiteren unabhängigen Berater für die geplante Fusion hinzugezogen. (mb)