MWC12

VMware virtualisiert das Smartphone - aus einem Handy werden zwei

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Der BYOD-Problematik, die so manchem CIO schlaflose Nächte beschert, begegnet VMware mit einem bekannten Mittel - der Virtualisierung. Damit erhält der User künftig ein virtuelles Privat- und ein Business-Handy in einem Smartphone.

Der Konflikt zwischen Offenheit und Sicherheit, Compliance und anderen IT-Anforderungen, der automatisch auftritt, wenn ein Unternehmen eine BYOD-Policy fährt, will VMware per Virtualisierung lösen. "Wir kreieren einen Personal Workspace, der von der IT kontrolliert wird und einen Private Space, über den der Anwender die Kontrolle hat", beschreibt Hoofar Razavi, Director Mobile Solutions bei VMware, den Ansatz. Dabei entstehen im Smartphone zwei virtuelle Telefone, die voneinander getrennt sind. So kann etwa auf dem einem Phone noch eine Android 2.x laufen, während auf dem anderen bereits Android 4.x installiert ist. Das Ganze basiert laut Razavi auf einem Hypervisor vom Type 2.

Das virtuelle Business-Phone

Für das virtuelle Business Phone kann der IT-Verantwortliche dann eine Art Enterprise App Store aufsetzen, um so die entsprechenden Anwendungen bereit zu stellen. Hierzu benötigt er allerdings die entsprechende Mobile Application Management von VMware. Bereits vorhandene Security-Definition wie Rollen, Zugriffsrechte etc. können laut Razavia aus anderen LDAP-fähigen Systemen übernommen werden.

Ein künftiges Lizenzierungsmodell wird wahrscheinlich aus einer monatlichen Gebühr pro User bestehen. Konkrete Aussagen wollte VMware hierzu noch nicht treffen. Ein Rollout dürfte aber wahrscheinlich im zweiten Quartal erfolgen, wenn auch erste Geräte von Samsung und LG erhältlich sind. Des Weiteren führe man mit allen wichtigen Android-Herstellern Gespräche. In Europa hat VMware zudem Telefónica (O2) als Partner gewonnen.

Einen Haken hat der VMware-Ansatz: Er lässt sich nur nutzen, wenn der Gerätehersteller seine Smartphones oder Tablets mit dem entsprechenden Hypervisor ausliefert. Auf der anderen Seite sprechen für den Virtualisierungsansatz einige Punkte, die man bei terminalbasierenden Ansätzen wie Citrix Receiver vergeblich sucht. Dank Virtualisierung können die Anwendungen auf lokal auf dem Endgerät ausgeführt werden. "Und die lokale Ausführung garantiert eine bessere User Experience", legt Razavi nach.

Die alte Faustregel, wonach im mobilen Einsatz Anwendungen und Daten möglichst auf dem Server zu bleiben hätten, gilt in den Augen Razavis nicht mehr. Denn mit Dual- und Quadcore-Prozessoren seien Smartphones und Tablets mittlerweile so leistungsfähig, dass sie die Anwendungen auch lokal ausführen könnten.

Zudem seien die Devices mittlerweile leistungsfähiger als das mobile Netz, bei dem Latenz und Bandbreite die beschränkenden Faktoren blieben. Und daran werde auch, so lockte Razavi wider die allgemeine LTE-Euphorie auf dem Mobile World Congress, die kommende vierte Mobilfunkgeneration nichts ändern, denn Funk bleibe Funk und könne deshalb keine mit einem kabelgebundenen Netz vergleichbare QoS liefern.