Start in die Selbstständigkeit

Viele Gründer wissen nicht um ihre Ertragsperspektive

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Startup-Betreiber haben unrealistische Vorstellungen von den Überschüssen. Zu diesem Schluss kommt das Gründernetzwerk Forum Kiedrich.
Claudia Erben, Forum Kiedrich: "Gründer sollten mit einer operativen Marge von 4,5 Prozent starten."
Claudia Erben, Forum Kiedrich: "Gründer sollten mit einer operativen Marge von 4,5 Prozent starten."

Das Gründer- und Mentorennetzwerk Forum Kiedrich stößt im Bewerbungsverfahren zu seinen halbjährlichen Gründermärkten auffällig oft auf vage Angaben zur erwarteten Umsatz- und Gewinnsituation. Aus Sicht von Forum-Kiedrich-Geschäftsführerin Claudia Erben lässt sich dies nur unzureichend mit der mangelnden Vorausschau auf künftige Geschäfte begründen.

Selbstbewusste Hightech-Gründer

Technologisch-innovativ ausgerichtete Gründer, die für ihre Vorhaben auf neue Produkte und Dienstleistungen setzen, trauten sich durchaus eine hohe operative Gewinnmarge zu. Gründerinnen und Gründer dagegen, die vor allem der Arbeitslosigkeit entgehen wollten, hätten geringere Erwartungen: "Gründer sollten heute mit einer operativen Marge von rund 4,5 Prozent starten. Vieles lässt sich steigern, wenn das Geschäft erst einmal läuft." Wer dagegen mit großen Anschubfinanzierungen von Anfang an auf mehr setze, werde oft enttäuscht.

Für die Schätzung der Gewinnaussichten kommt es laut Forum Kiedrich darauf an, sich mit folgenden Fragen auseinanderzusetzen:

  • Wie sieht es bei vergleichbaren Wettbewerbern aus?

  • Was kann ich von meinen wichtigsten Konkurrenten lernen? Was sollte ich besser sein lassen?

  • Welche Vermutungen gelten für mein eigenes Geschäftsmodell? Woher bekomme ich Indizien, die zu professionellen Antworten führen?

Vor allem ungünstige Gewinnaussichten tragen nach Einschätzung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zur Verschiebung eines Gründungsvorhabens bei. Laut seinem im Spätherbst 2009 herausgegebenem Gründungsreport liegt dies in erster Linie an den instabilen gesamtwirtschaftlichen Verhältnissen. An den vornehmlich an technischen Chancen orientierten Gründungsvorhaben im Forum Kiedrich kann dies nachvollzogen werden.

Gewinn nach 16 Monaten

Die Vorstellungskandidaten teilen sich in zwei Gruppen. Einerseits die, die eine innovative Gründung ankündigen, aber noch nicht starten, was sich an eher unbestimmten Gewinnaussagen festmachen lässt, und andererseits die, die nach einem ersten Jahr am Markt den Nutzen eines klar positionierten Netzwerks erkennen und dort auch zur Geschäftsentwicklung Farbe bekennen.

Bislang zeigte sich, dass die Unternehmen im Durchschnitt nach 16 Monaten die Gewinnzone erreichen. "Wo sie wirklich stehen, darüber schweigen die meisten Gründer. Da sind sie wie der typische deutsche Mittelständler, der über nichts so ungern spricht wie über seinen tatsächlichen Gewinn", so die Gründungsexpertin Erben.

Gründermarkt

Der nächste Gründermarkt des Forums Kiedrich findet in Wiesbaden ganztägig am Samstag, den 6. Februar 2010, statt. Das in der hessischen Landeshauptstadt ansässige, bundesweit aktive Gründer- und Mentorennetzwerk misst in unregelmäßigen Abständen den Erfolg der von ihm begleiteten Unternehmerinnen und Unternehmer in Form eines Gründerbarometers. Nähere Informationen unter www.forum-kiedrich.de.