Dummdreister Entwickler

Vice President klaut Code von Goldman Sachs

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Ein hochrangiger IT-Experte hat versucht, die Handelssoftware seines Arbeitgebers an der Wall Street mitgehen zu lassen. Er berief sich auf Open Source.

Die US-Bundespolizei FBI hat am Freitag einen IT-Experten auf dem Flughafen Newark festgenommen, dem vorgeworfen wird, Software seines Arbeitgebers entwendet zu haben. Dabei handelt es sich um ein ausgewachsenes Handelsprogramm für Aktien und Rohstoffe, das Berichten zufolge bei der Investment-Bank Goldman Sachs im Einsatz ist. Laut Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich bei dem Beschuldigten um Serge Aleynikov, Vice President Equity Strategy bei Goldman Sachs (LinkedIn).

In den Tagen vor dem Ausscheiden aus der Bank soll der IT-Experte 32 MB Code auf einen Server in Deutschland kopiert haben, so das FBI. Aleynikov hatte gekündigt, um eine neue Stelle anzutreten. Sein Jahresgehalt von 400.000 Dollar hätte sich verdreifacht. Ein Spezialagent des FBI untersuchte den Fall und fand heraus, dass der Beschuldigte ein Programm zur Verschlüsselung von Dateien gelöscht hatte. Zudem versuchte er, die Bash History im Nachhinein zu säubern. Dieses gelang nicht, weil in der Bank die Befehle jedes Anwenders als Back-up gespeichert werden.

Brilliant sei die Rechtfertigung des Beschuldigten gewesen: Er habe lediglich "Open Source"-Dateien, an denen er gearbeitet hatte, kopieren wollen. Später sei Aleynikov dann aufgefallen, dass mehr Dateien als ursprünglich geplant kopiert wurden. Seine Kaution wurde auf 750.000 Dollar festgesetzt.