Kostensenkung

Verwaltung und Vertrieb sind zu teuer

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Nur jedes vierte Unternehmen kann seine Verwaltungs- und Vertriebskosten dem Umsatzrückgang anpassen.

Viele Firmen bekommen ihre Kosten nicht in den Griff. Das zeigt eine Studie von The Hackett Group unter mehr als 200 Großunternehmen weltweit. Trotz Umsatzeinbußen im zweiten Quartal um durchschnittlich 23,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum konnten die Befragten ihre Verwaltungs- und Vertriebskosten nur um 6,7 Prozent senken. Und nur jedes vierte Unternehmen war in der Lage, diese Kosten den zum Teil drastischen Umsatzrückgängen anzupassen. Betrachtet man ausschließlich Europa, ist die Lage noch bedenklicher: Hier gingen die Einnahmen im Betrachtungszeitraum um 36,6 Prozent zurück. Aber nur 11,5 Prozent der Firmen konnten zeitgleich ihre Verwaltungs- und Vertriebskosten eindämmen.

Dramatische Absatzrückgänge, Unsicherheiten über Geschäftsklima und -entwicklung sowie der weltweite Wettbewerbsdruck stellen die Schnelligkeit und Flexibilität der Kostenanpassung in Vertrieb, Finanzen, IT, Personal und Einkauf auf immer härtere Proben.

Nach den Worten von Fritz Roemer, Senior Director Finance Transformation Europe bei Hackett, müssen Unternehmen vor allem neue Controlling-Fähigkeiten entwickeln, um in diesem turbulenten Geschäftsumfeld bestehen zu können. Voraussetzung hierfür seien im Wesentlichen drei Fähigkeiten:

  1. die Fähigkeit, Veränderungen im Nachfrageverhalten frühzeitig zu erkennen;

  2. die Fähigkeit, den Marktauftritt an geänderte Bedürfnisse und Kaufkraftverschiebungen extern anzupassen.

  3. die Fähigkeit, die Kapazitäten mit Hilfe eines skalierbaren Organisationsmodells dem Nachfragerückgang intern anzupassen. Laut Hackett können Unternehmen mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 26 Milliarden Dollar mit Hilfe der dargestellten Maßnahmen (siehe Kasten "Wie Firmen intern reagieren können") bei den Vertriebs- und Verwaltungskosten bis zu rund eine Milliarde Dollar einsparen.

Wie Firmen intern reagieren können

  • Ausschöpfung von Größen- und Spezialisierungsvorteilen durch Inanspruchnahme von Global Business Services/Shared Service Centers und Centers of Excellence;

  • Weniger Komplexität durch End-to-End-Prozessdesign und -Standardisierung;

  • Neubewertung von Insourcing- und Outsourcing-Möglichkeiten;

  • Besetzung freier Positionen durch Rückgriff auf Talente im Unternehmen; Beseitigung von Hierarchieebenen;

  • Ausrichtung der Dienstleistungen auf die Kundenanforderungen unter Berücksichtigung des eigenen Budgets;

  • Neuverhandeln von Verträgen mit Dritten;

  • Zentralisierung des Einkaufs sowie Abschluss globaler Vereinbarungen.