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Verkauft Corel seinen Linux-Bereich?

15.12.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Durch das Internet geistert das Gerücht, das in dauernden Geldnöten steckende kanadische Softwarehaus Corel sei drauf und dran, seine Linux-Entwicklung zu verkaufen. Als Käufer ist die New Yorker Venture-Capital-Firma Linux Global Partners (LGP) im Gespräch. Die sei bereit, fünf Millionen Dollar in bar zu bezahlen. Außerdem bekäme Corel 20 Prozent Anteile einer von LGP noch zu gründenden neuen Linux-Firma.

Weder LPG noch Corel haben die Geschichte explizit dementiert, es aber abgelehnt, die "Spekulationen" zu kommentieren. Corel veröffentlichte auf Anfrage der COMPUTERWOCHE eine Erklärung, wonach das Unternehmen sich mit den Planungen zur Umstrukturierung der gesamten Konzernsaktivitäten beschäftige. Die Kanadier bestätigten, "mit mehreren Unternehmen über verschiedene Dinge in Diskussion" zu sein - ohne allerdings Namen und Themen nennen zu wollen. Das Ziel seien "langfristige Profitabilität und Wachstum".

Seitdem Corel im Oktober 2000 durch eine 135-Millionen-Dollar-Investition von Microsoft knapp vor dem Bankrott bewahrt wurde, reißen Gerüchte um einen Abschied der Kanadier aus der Linux-Welt nicht ab. Schließlich hatte im August schon Corels wichtigster Linux-Befürworter Michael Cowpland seinen (CEO-)Hut nehmen müssen. Sein Nachfolger Derek Burney hatte die Gelder von Bill Gates nur bekommen, indem er sich auf Microsofts .NET-Linie festlegte. Doch noch auf der Comdex in Las Vegas hatte der neue CEO dementiert, Corel werde den verlustreichen Linux-Bereich verkaufen.

Die Holding LGP hat sich in unbekannter Höhe an mehreren jungen Linux-Companies beteiligt. So hat LGP in das GUI-Unternehmen Helix Code des Gnome-Gründers Miguel de Icaza, in die das Wine-Projekt stützende Firma Code Weavers und in Gnumatic (früher GnuCash) investiert.