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VATM sieht Trend zu einem Anschluss für alles

15.01.2007
Für die Telekom-Konkurrenten ist die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) noch immer ein Nadelöhr.

Selbstbewusst blicken die im Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) organisierten Telekom-Konkurrenten in die Zukunft. Mit rund 35,2 Milliarden Euro erzielten sie nach eigenen Schätzungen im letzten Jahr erstmals höhere Erlöse als die Telekom (33,9 Milliarden Euro). "Die Wettbewerber sind die Innovationstreiber im TK-Markt", so das Fazit von VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Dennoch sieht der Verband weiterhin die Notwendigkeit einer konsequenten Zugangsregulierung im TK-Sektor. Hier sehen die Telekom-Konkurrenten vor allem im Bereich der TAL nach wie vor Regulierungsbedarf, weshalb sie die im neuen Telekommunikationsgesetz (TKG) vorgesehenen Regulierungsferien für die Telekom "nicht beglücken".

Welche Bedeutung die regulierte TAL für die Wettbewerber hat, unterstrich Alwin Mahler, Vice President Strategy der Telefonica GmbH und VATM-Mitglied. Er ist davon überzeugt, dass die Entwicklung hin zu einem Anschluss auf Basis von IP für alle Services inklusive IP-TV geht. Damit bleibe DSL für die nächsten Jahre die bestimmende Anschlusstechnologie, zumal hierzulande im Gegensatz zu vielen anderen Ländern alternative Zugangstechnologien kaum eine Rolle spielten. Zudem vermisst Mahler die Möglichkeit eines Bitstream-Zugangs, wie er zwar von Brüssel gefordert, aber von der Telekom bislang nicht angeboten wird.

Mit einer gewissen Häme nahm man beim VATM die Nachricht auf, dass die Telekom mittlerweile prüfe, ob sie ihr Triple-Play-Angebot T-Home künftig nicht auch über 16 Mbit/s schnelle ADSL2+-Anschlüsse vermarkten wird. In der Vergangenheit hatte der Bonner Carrier immer betont, dass Triple Play ein neuer Service mit VDSL als neuer Infrastruktur sei und diese deshalb von der Regulierung auszunehmen wäre. Angesichts der jüngsten Überlegungen sehen sich die VATM-Mitglieder in ihrer Argumentation bestätigt, dass es sich hierbei nicht um einen neuen Markt handle, sondern das Angebot durch ADSL2+ substituierbar sie. Deshalb müsse auch der VDSL-Ausbau, so der VATM, der Regulierung unterliegen. Zumal es in den Augen von Grützner bei den angedachten Regulierungsferien für die Telekom eigentlich gar nicht um VDSL geht, "sondern um den politischen Willen, die Telekom zum nationalen Champion aufzubauen, nachdem die Expansion auf ausländischen Märkten gescheitert ist". Die Politik, so Grützners Vorwurf in Richtung Berlin habe mit dem neuen TKG nur für mehr Planungsunsicherheit bei allen Beteiligten gesorgt.

Frei von Regulierungsfragen können demnächst eventuell die Bewohner von DSL-freien Gebieten mit einem ganz anderen Access-Medium planen. Patrick Lewis, Manager beim neuen VATM-Mitglied Hughes Networks System, stellte für die nahe Zukunft bezahlbare Internet-Satellitendienste in Aussicht. Lewis zufolge könnte es bald einen Internet-Zugang via Satellit für rund 50 Euro pro Monat geben. Dabei soll der Downstream mit 4 Mbit/s und der Upstream mit 1 Mbit/s über die künstlichen Erdtrabanten erfolgen. (hi)