Telekom-Deutschlandchef

Van Damme sieht bei Datenlimits keinen Weg zurück

02.05.2013
Die Telekom will trotz des Medienaufruhrs nicht von ihrem Plan abrücken, auch im Festnetz Datenlimits einzuführen.
"Aus unserer Sicht ist Entertain kein Internet-Dienst", sagt Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme.
"Aus unserer Sicht ist Entertain kein Internet-Dienst", sagt Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme.
Foto: Telekom

"Wir können nicht zurück", sagte Deutschlandchef Niek Jan van Damme der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe). Die Ankündigung der Telekom, Vielnutzer mehr zahlen zu lassen, löste in der vergangenen Woche im Internet einen Sturm der Entrüstung aus. Kommentatoren sehen die Freiheit des Internets in Gefahr, wenn Nutzer ab einer bestimmten Datenmenge die hohe Geschwindigkeit extra bezahlen sollen.

"Wir bauen unser Netz für Milliarden aus, damit immer mehr Kunden immer schneller surfen können. Bisher ist es aber so, dass die durchschnittlichen Nutzer die Vielnutzer subventionieren", sagte van Damme. "Warum sollen 97 Prozent unserer Kunden dafür bezahlen, dass die restlichen drei Prozent große Menge Daten bewegen? Fair ist es, dass diejenigen mehr zahlen, die diese Netze auch am stärksten nutzen. Wer den Wasserhahn ständig laufen lässt, bezahlt auch mehr als Otto Normalverbraucher."

Die Telekom ist wie andere Netzbetreiber in der undankbaren Lage, die Infrastruktur für den boomenden Internetkonsum besonders von Filmen zu stellen, ohne dafür bisher mehr Geld verlangen zu können. Branchenkennern zufolge besteht darin einer der Gründe für den schleppenden Ausbau der deutschen Netze - es rechnet sich einfach nicht.

Die Kritik, die Telekom nehme ihr Fernsehprodukt Entertain aus dieser Datenmenge aus, perlt an van Damme ab. "Aus unserer Sicht ist Entertain kein Internet-Dienst. Entertain ist eine separate medienrechtlich durchregulierte TV- und Medienplattform und eher mit dem Kabel- oder Satellitenfernsehen zu vergleichen." Die eigenen Dienste etwa aus der Datenwolke würden aber ebenso behandelt wie die anderer Anbieter.

Zentraler Kritikpunkt an den Telekom-Plänen bleibt, dass der Bonner Konzern das Konzept der Netzneutralität unterminiert. Offenbar möchte die Telekom möglichst viele wirtschaftlich potente Inhalte-Anbieter (kleinere können sich das meist wohl weniger leisten) im Netz dazu bewegen, ihre Services gegen Geld als "Managed" zu betreiben und bevorzugt zum Endkunden durchzureichen. Die Managed Services werden diesem dann nicht auf sein Inklusivvolumen angerechnet. (dpa/tc)

Telefonica will Telekom-Infrastruktur nutzen

Telefonica Deutschland will für Festnetz-Internet verstärkt die neue Hochgeschwindigkeits-Infrastruktur der Telekom nutzen. Mit der Telekom sei eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet worden, teilte Telefonica Deutschland am Donnerstag mit. Telefonica will auf VDSL- und Vectoring-Produkte der Telekom zurückgreifen. Der Prozess soll schrittweise erfolgen und 2019 abgeschlossen sein.

Der Start der Kooperation ist für das kommende Jahr geplant. "Die Telekom ist bereit, massiv ins deutsche Festnetz zu investieren. Wir brauchen allerdings Partner, um die Investitionsrisiken zu teilen und den Ausbau der Hochleistungsnetze forcieren zu können", kommentierte Deutschlandchef van Damme