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US-Musikindustrie verklagt erneut Streamcast

04.06.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Branchenverband der US-Musikindustrie RIAA hat erneut einen Klage gegen Streamcast Networks eingereicht. Dem Hersteller der Internet-Tauschsoftware Morpheus wird Presseberichten zufolge vorgeworfen, er habe im Jahr 1999 für den geplanten Betrieb eines Internet-Radiodienstes Tausende von Music-CDs gekauft und die Songs anschließend im Digitalformat auf Festplatten und anderen Datenträgern gespeichert. Da es dem Unternehmen im Anschluss nicht gelungen war, Lizenzen von den Plattenfirmen zu erhalten, ging das Web-Radio jedoch nie online. Trotzdem fordert der Branchenverband nun wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht Schadensersatz in Höhe von 150.000 Dollar für jeden illegal kopierten Musiktitel.

Streamcast-CEO Michael Weiss nannte die Musikkonzerne "schlechte Verlierer" und verwies auf eine separate Copyright-Klage vor weniger als zwei Monaten. Damals war die RIAA vor einem Bezirksgericht in Los Angeles mit dem Plan gescheitert, Streamcast und einen weiteren Anbieter von P-P-Software wegen Verletzung von Urheberschutzrechten rechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Als Begründung hatte Richter Stephen Wilson erklärt, die Betreiber könnten aufgrund der technischen Struktur der Dienste die getauschten Inhalte nicht kontrollieren (Computerwoche online berichtete).

In einer anderen Copyright-Klage vor drei Jahren, diesmal gegen MP3.com, hatte ein Bundesgericht zugunsten der RIAA entschieden. Der Online-Musikdienst hatte einen neuen Service eingerichtet, der es Nutzern gestattete, Titel von eigenen CDs zu kopieren und auf der Website zu speichern. MP3.com wurde daraufhin zu einer Einigung mit den Musiklabels gezwungen, die insgesamt über 100 Millionen Dollar Schadensersatz gefordert hatten. (mb)