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US-Medienriesen bieten Filme und TV-Serien bald kostenlos übers Internet an

23.03.2007
Im Sommer planen NBC Universal und News Corporation die Eröffnung eines eigenen Online-Video-Netzwerks. Über die Portale von Microsoft, AOL und Yahoo sollen Filme und TV-Serien werbefinanziert an die Kunden gebracht werden.

Auf dieses Joint-Venture-Vorhaben verständigten sich die Konzerne gestern offiziell, nachdem die Planungen bereits seit über einem halben Jahr liefen (Computerwoche.de berichtete). Bis zum Launch im Sommer wird ein kommissarischer Vorstand mit Funktionsträgern aus beiden Unternehmen die Geschäfte des Ventures führen.

Im Gegensatz zu Video-Portalen wie YouTube oder MyVideo, die bisher nur kurze Clips anbieten, soll sich das neue Netzwerk auf komplette Episoden von hauseigenen TV-Serien sowie auf Spielfilme konzentrieren. NBC Universal und News Corp. vereinen große Filmproduktionsfirmen und US-Seriensender wie Fox und NBC unter sich und können auf einen breiten Fundus an Material zurückgreifen. Zusätzlich soll es auch Platz für private Videoclips von Anwendern geben.

Finanzieren soll sich das Angebot durch Werbeanzeigen auf den Portalseiten. Als Werbepartner bereits mit im Boot sind unter anderem Intel, General Motors und Cisco Systems. Dieses Modell gilt aber nur für Streaming-Angebote: Für Filme, die zum Download und damit zum dauerhaften Besitz bereitgestellt werden, wollen NBC und News Corp. die Anwender zur Kasse bitten.

Ein Problem des neuen Netzwerks zeichnet sich allerdings schon ab: AOL, Microsoft und Yahoo buhlen um dieselben Kunden für ihre Portale und kämen mit identischen Videoangeboten auf ihren Seiten nicht unbedingt weiter. Microsoft-Sprecher Adam Sohn sieht dem sich abzeichnenden Konkurrenzkampf eher gelassen entgegen und proklamiert die Aufmachung der Portale als entscheidendes Kriterium: "MSN wird von NBC und News Corp. die gleichen Inhalte erhalten wie AOL und Yahoo – es gibt aber Dutzende Wege, diese Videos richtig zu verkaufen."

Sohn sieht das neue Projekt als Chance, "qualitativ hochwertige sowie sichere und legale Inhalte" an den Kunden zu bringen. Viacom, der Mutterkonzern von MTV, Comedy Central und den Paramount Studios, begrüßt das Modell ebenfalls: "Eine neue Video-Plattform, die Urheberrechte respektiert, ist uns sehr willkommen", so das Unternehmen. Erst vor zwei Wochen hatte Viacom gegen YouTube-Besitzer Google geklagt, weil es seine Urheberrechte an Clips durch deren unerlaubte Bereitstellung verletzt sah. Viacom plante wohl auch selbst als Partner in das NBC-News-Venture einzusteigen. Stattdessen will der Konzern nun mit einem eigenen Videonetzwerk sein Glück versuchen. Distributoren sind Joost, Apple und pikanterweise auch Google Video.

Analysten sehen in den Plänen der Medienkonzerne eine überfällige Reaktion auf die immer beliebteren Video-Plattformen im Internet. Die US-Medienriesen sehen sich selbst aber nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten von YouTube oder MyVideo: NBC und News Corp. konzentrierten sich auf die Verbreitung von geschützten Serien und Filmen und bauten damit nur neue Verteilerkanäle auf, so News-Geschäftsführer Peter Chernin. Im Gegensatz zur Musikindustrie, die die kostenlose Bereitstellung von Songs im Internet seit Jahren mit allen Mitteln zu verhindern versuche, gebe die Filmindustrie mit den werbefinanzierten Online-Angeboten ihrer Kundschaft nun nur genau das, was sie schon lange haben wolle. (sh)