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US-Firmen entdecken Osteuropa als Offshore-Region

08.09.2004

Was für westeuropäische Unternehmen bislang unter der Bezeichnung Nearshore oder Nearshore-Outsourcing bekannt war, weckt zunehmend auch das Interesse US-amerikanischer Firmen - die Verlagerung von Arbeiten in osteuropäische Länder. "Es begann mit IT-Services", berichtet Simon Bell von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Inzwischen umfasse das Spektrum sowohl Informationstechnologie als auch Geschäftsprozesse. Besonders Produktionsprozesse verlagerten US-Unternehmen immer häufiger in Länder wie Tschechien, Rumänien oder die Slowakei. Dies betreffe vor allem Zulieferer der US-Automobilindustrie. Aber auch IT-Schwergewichte wie Dell oder Motorola hegen Offshore-Pläne in den ehemaligen Staaten des Ostblocks.

Trotz der höheren Arbeitskosten böten osteuropäische Staaten im Vergleich zu den klassischen Offshore-Regionen wie Indien oder China Vorteile, betonen die Analysten von Forrester Research. So sei etwa die Anzahl der Hochschulabsolventen in Ingenieurs- und Naturwissenschaften in Russland höher als in Indien. Hinzu kommt nach Ansicht von A.T. Kearney die bessere Infrastruktur sowie die kulturelle und sprachliche Nähe zu Europa. Diese Faktoren führten dazu, dass sich Offshore-Partnerschaften in Osteuropa einfacher steuern ließen als etwa in Indien oder auf den Philippinen. Von Nachteil sei hingegen die geringe Zahl stabiler lokaler Unternehmen, die Offshore-Dienste wie Call Center oder den IT-Betrieb offerieren könnten. Aus diesem Grund bevorzugten US-amerikanische Unternehmen den Aufbau eigener Standorte statt Arbeiten an einen Partner auszulagern. (wh)