Web

 

Update zum Worldcom-Bilanzskandal

04.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der amerikanische Bezirksrichter Jed Rakoff hat den 31. März kommenden Jahres als Termin für die Eröffnung des Verfahrens der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) gegen Worldcom festgelegt. Es könnte dabei allerdings zu Verzögerungen kommen, falls beide Parteien zuvor in Schlichtungsverhandlungen eintreten, was in solchen Fällen nicht unüblich ist. Worldcom hatte in der vergangenen Woche eingeräumt, es habe Verlust von 1,22 Milliarden Dollar durch falsche Verbuchung von Kosten in Höhe von 3,85 Milliarden Dollar als Investitionsaufwand vertuscht. Die SEC strebt eine noch nicht bezifferte Geldstrafe gegen das Unternehmen an und will erzwingen, dass es sich künftig an die Regeln hält.

Richter Rakoff bestellte ferner Richard Breeden, früherer Chef der SEC-Kommission, zur Überwachung von Worldcom. Breeden soll die Zahlungen an Management und Belegschaft überwachen (damit sich niemand unbotmäßig bereichert) und darauf achten, dass keine relevanten Unterlagen manipuliert oder vernichtet werden. Breeden, der unter George Bush Senior sowie unter Bill Clinton für die SEC tätig war und seit 1996 einer eigenen Beratungsfirma vorsteht, besitzt zurzeit selbst noch rund 6000 Worldcom-Aktien, die er aber in den nächsten Tagen abstoßen wird.

Die Analysten von Gartner sind derweil zu dem Schluss gekommen, dass Worldcom aufgrund seiner desolaten Finanzsituation allein nicht mehr überleben kann und vermutlich binnen zwei Jahren verkauft wird, wahrscheinlich an eines der früheren Bell-Unternehmen. Zuvor sei ein Antrag auf Gläubigerschutz wohl nicht mehr zu vermeiden. "Das ist letztlich in ihrem eigenen Interesse am besten", erklärte Experte Eric Paulak. Der Senior Vice President von Gartners Enterprise Strategy Group hät in diesem Zusammenhang auch den Verkauf oder die Einstellung von Worldcoms Aktivitäten in Japan sowie Süd- und Nordeuropa für möglich. Auch werde das Unternehmen wohl mit den bislang angekündigten 17.000 Entlassungen nicht hinkommen; ein Halbierung der Belegschaft sei vorstellbar. (tc)