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Update: Blackstone Group erwirbt 4,5 Prozent der Deutschen Telekom

25.04.2006
Vizekanzler Franz Müntefering würde Blackstone zweifellos zur Kategorie der "Heuschrecken" zählen. Anders sein Kollege, Finanzminister Peer Steinbrück: Über die KfW verkaufte der Bund 4,5 Prozent der Telekom-Aktien an die Amerikaner.

Die Bundesregierung hat über die staatliche Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 4,5 Prozent der Deutsche-Telekom-Aktien an die US-amerikanische Private-Equity-Firma Blackstone Group verkauft. Für die 191,7 Millionen Telekom-Aktien zahlte der Investor 14 Euro pro Stück oder insgesamt 2,68 Milliarden Euro. Blackstone war erst vor wenigen Wochen im Zusammenhang mit einer möglichen Beteiligung am Vodafone-Konzern in den Schlagzeilen.

Die KfW, die zu vier Fünfteln dem Bund und zu einem Fünftel den Ländern gehört, unterstützt den Staat bei der Privatisierung von Unternehmensbeteiligungen, indem sie Anteile etwa von Post und Telekom erwirbt und am Kapitalmarkt verkauft. Bis 2009, so hatte der Bund 1996 angekündigt, sollen alle Telekom-Anteile abgegeben werden. Durch die Transaktion mit Blackstone verringerte sich der Anteil der KfW an der Telekom auf 17,3 Prozent, während der Bund selbst weiter 15,2 Prozent hält.

Viel Lorbeer vom Investor

Stephen Schwarzmann, Chairman und CEO (Chief Executive Officer) von Blackstone, versicherte, an einer langfristigen Beteiligung am aus seiner Sicht unterbewerteten Dax-Unternehmen interessiert zu sein. Mindestens zwei Jahre werde man das Aktienpaket halten. "Wir glauben, dass die Telekom ein hervorragendes Unternehmen mit einem starken Management sowie attraktiven Kennzahlen und Marktchancen ist", so der Amerikaner, dessen Ziel vor allem eine Steigerung des Shareholder-Value ist. Voraussichtlich wird Blackstone einen Sitz im Aufsichtsrat der Telekom einnehmen. Naheliegend wäre eine Berufung von Lawrence Guffey, der die Investments im Medien- und Kommunikationsbereich betreut.

Wiedersehen mit Ron Sommer

Im europäischen Beirat des Investors sitzt mit Ron Sommer ein alter Bekannter des Telekom-Managements. Doch nicht nur deshalb hat der Deal einen Beigeschmack. Dass der Bund seine Anteile ausgerechnet an eine jener Investment-Gesellschaften verkauft hat, die der deutsche Vizekanzler und Bundesminister für Arbeit und Soziales Franz Müntefering im vergangenen Jahr als "Heuschrecken" beschimpft hatte, sorgt teilweise für Unverständnis.

Einen ganz anderen Ton schlug indes Finanzminister Peer Steinbrück an: Der Bund sei bewusst den Weg gegangen, die Anteile an ein Private-Equity-Unternehmen zu veräußern. "Wenn immer es sinnvoll sein sollte, wird dieser Weg auch weiter gegangen." Internationales Beteiligungskapital sei ein wichtiges Finanzierungsinstrument in Deutschland, vor allem für den Mittelstand. Blackstone sei ein Unternehmen, das an einer längerfristigen Perspektive ausgerichtet sei, sagte Steinbrück. Den Verkauf weiterer Anteile an dieses unternehmen schließt der Bund allerdings aus.

Jubel in Aktionärskreisen

Der Aktienkurs der Telekom machte angesichts des Blackstone-Einstiegs einen Sprung von über vier Prozent. Analysten hoffen, dass sich der Investor nun der Kurspflege annehmen wird. Zwar hatte die Telekom im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 5,6 Milliarden Euro eingefahren und die Anleger mit einer üppigen Dividende bedacht, doch der Abbau von 32 000 Arbeitsplätzen wurde ebenfalls angekündigt. Außerdem leidet die Telekom unter rückläufigen Festnetzumsätzen und einem Preisverfall im Mobilfunk. (hv)