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Update: AMD klagt jetzt auch in Japan gegen Intel

01.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) -

Advanced Micro Devices (AMD) Japan hat gestern beim Tokyo High Court und beim Tokyo District Court zwei Klagen gegen Intels japanische Niederlassung, Intel K.K., eingereicht. Bereits am 27. Juni 2005 hatte AMD in den USA Klage gegen Intel eingereicht wegen unrechtmäßiger Geschäftspraktiken (siehe die komplette Klageschrift).

AMD Japan moniert Schäden, die der Firma durch Verstöße Intels gegen das japanische Kartellrecht entstanden seien. AMD fordert deshalb Schadensersatz in Höhe von 50 Millionen US-Dollar. Der Intel-Konkurrent beruft sich hierbei auf eine Entscheidung der japanischen Wettbewerbskommission (JFTC) vom 8. März 2005. In dieser formuliert die JFTC, Intel habe das Kartellrecht verletzt. Ferner habe der Prozessorgigant die Geschäftsaktivitäten

von AMD Japan behindert.

Die Behauptung: Intel habe den fünf japanischen PC-Herstellern NEC, Fujitsu, Toshiba, Sony und Hitachi hohe finanzielle Mittel zukommen lassen, um zu erreichen, dass diese keine Prozessoren von AMD kaufen. "Als Resultat aus diesen unrechtmäßigen Geschäftspraktiken sind AMD Japan hohe Schäden entstanden", heißt es in einer Erklärung von Advanced Micro Devices. Das Unternehmen habe seinen "gesamten Umsatz" mit Toshiba, Sony und Hitachi verloren und zusätzlich "ernsthafte Umsatzeinbußen" mit NEC und Fujitsu hinnehmen müssen.

AMD wirft Intel in einer weiteren Klage, die das Unternehmen beim Tokyo District Court

einreichte, vor, einen japanischen PC-Hersteller angestiftet zu haben, als "Gegenleistung für hohe finanzielle Mittel alle Computermodelle mit Prozessoren von AMD aus seinem Produktkatalog und von seiner Internet-Seite zu entfernen."

Zudem habe Intel Druck auf einen AMD-Kunden ausgeübt, der eine Veranstaltung zur Vorstellung neuer AMD-Produkte besuchen

wollte. Dieser Kunde musste seine geplante Teilnahme an der Veranstaltung absagen, heißt es in der Anschuldigung von AMD.

AMD behauptet ferner, Intel habe eine gemeinsame Werbeveranstaltung von AMD und einem Kunden zur Vermarktung von PCs mit einem neuen AMD-Prozessor unterlaufen. Hierzu habe Intel "unmittelbar vor Veranstaltungsbeginn" alle PCs mit AMD-Prozessoren gekauft und sie durch PCs mit Intel-CPUs ersetzt. Intel habe dem betroffenen Unternehmen für seine "in letzter Minute erfolgte" Kooperation als Belohnung hohe finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt.

AMD spricht in diesem Zusammenhang von "Nötigung" seitens des Halbleiterriesen. Intel missbrauche seine marktbeherrschende Position (siehe hierzu: "AMD feuert juristische Breitseite gegen Intel") auf dem Prozessormarkt. "Diese unrechtmäßigen Maßnahmen haben den fairen Wettbewerb behindert und die Auswahl, die Konsumenten bei Computern haben, begrenzt", so David Uze, President und Representative Director von AMD Japan.

Intel bestreitet die Anschuldigungen von AMD vehement (siehe: "Intel-Chef wehrt sich gegen AMD-Behauptungen"). (jm)