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Unternehmen skeptisch gegenüber RFID

15.06.2004

Dem Markt für Radio Frequency Identification (RFID) wird prächtiges Gedeihen prophezeit. Nach einer von Booz Allen Hamilton und der Universität St.Gallen initiierten Studie dürfte die viel zitierte Funkwellentechnik allerdings noch einige Hürden zu nehmen haben, bevor der Marktdurchbruch gelingt.

Allein in Europa, so die aktuellen Prognosen, soll der RFID-Markt in den kommenden vier Jahren von 400 Millionen auf 2,5 Milliarden Euro anwachsen. Während sich das Geschäft mit den entsprechenden Chips zu einem Hoffnungsträger der IT-Industrie entwickelt, zeigen die potenziellen Abnehmer allerdings noch Zurückhaltung: Der Studie zufolge ist die neue Automatisierungstechnik bei großen Firmen zwar ein wichtiges Thema, die Investitionsbereitschaft aber ist noch verhalten. So planen nur 18 Prozent von gut 30 in den USA und Europa interviewten Großunternehmen, heuer mehr als 500 000 Euro für die Produktidentifikation mittels Funketiketten auszugeben. Die Experten führen das derzeit mäßige Interesse auf die hohen Investitionen der letzten Jahre etwa in Barcode-Systeme zur Automatisierung des Logistik-Managements zurück. Für viele halte sich der über RFID zu erzielende Zusatznutzen daher vorerst in Grenzen. Als Wegbereiter des RFID-Booms und

primäre Treiber der Technik gelten vor allem die Handelskonzerne Metro Group, Wal-Mart und Tesco.

Bislang hat neben unausgereifter Technik und dem hohen finanziellen Aufwand für die Anschaffung und das Testen der RFID-Systemen vor allem die mangelnde Standardisierung deren weitere Verbreitung gebremst. Das soll sich ändern: Wie das RFID-Standardisierungsgremium EPC Global Inc. gestern bekannt gab, ist die Entwicklung der ersten globalen Standards abgeschlossen. Laut EPC-Global-Sprecher Jack Grasso legen die neuen EPC-Spezifikationen die Art der verwendeten Tags sowie deren Frequenz und Lesegeschwindigkeit fest. Die Non-Profit-Gruppe, ein Joint Venture zwischen EAN International und dem Uniform Code Council, arbeitet bereits an der nächsten Generation von Spezifikationen für RFID-Chips, "UHF Gen 2" (UHF = Ultra High Frequency) genannt. Dieser soll das Nutzungsspektrum der Tags erweitern. (kf)