Nach Austausch der Chefetage

Unregelmäßigkeiten bei Cadence Design Systems

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Cadence Design Systems hat offenbar Einnahmen ausgewiesen, die (noch) gar nicht existierten.

Eigentlich wollte Cadence gestern seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegen. Die Veröffentlichung wurde verschoben (die Prognose vom 15. Oktober steht indes weiterhin), stattdessen kündigte die Softwarefirma eine Überprüfung ihrer Bilanzen für das erste Quartal und Halbjahr an. Diese Zahlenwerke müssten wohl revidiert werden, hieß es.

Konkret geht es einer Meldung des "Wall Street Journal" zufolge um 24 Millionen Dollar aus Kundenverträgen, die bereits im ersten Quartal des Geschäftsjahres verbucht wurden, obwohl die Laufzeit der Verträge erst im Q2 begann. Die Software von Cadence wird bei der Entwicklung von Computer-Chips verwendet.

Am 15. Oktober hatte Cadence den Austausch seiner Chefetage bekanntgegeben. Der langjährige CEO und frühere Intel-Manager Mike Fister ging "in gegenseitigem Einvernehmen" und mit ihm vier weitere Führungskräfte, darunter Executive Vice President und Chief Administrative Officer William Porter. Übergangsweise leiten seither Finanzchef Kevin Palatnik, Chairman John Shoven und Verwaltungsrat Lip-Bu Tan das Unternehmen.

Cadence kämpft mit den Folgen der sinkenden Nachfrage nach Halbleitern und einem fehlgeschlagenen Übernahmeversuch für den Mitbewerber Mentor Graphics.

Analysten hatten bereits bemängelt, dass Cadence im Jahr 2007 seine Vertriebpraxis so geändert hatte, dass die Anerkennung von Softwareerlösen beschleunigt wurde (effektiv wurde dabei Geschäft aus künftigen Quartalen "geborgt"). Nach enttäuschenden Zahlen für das zweite Quartal dieses Fiskaljahres erklärte Cadence, es werde zu einer konservativeren Bilanzierung zurückkehren und kündigte für das Q3 einen Verlust an.