SBS Software

Übernahme stärkt Wolters Kluwer im Kampf gegen die Datev

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Mit dem Zukauf des baden-württembergischen Anbieters SBS Software hofft Wolters Kluwer auf eine verbesserte Position im Wettbewerb mit der Datev, dem Platzhirsch im Markt für Steuerberatersoftware. Im Visier von Wolters Kluwer, bekannt vor allem mit der Software-Produktmarke Addison, sind verstärkt auch mittelständische Unternehmen.

Im Softwaremarkt für Steuerberater herrsche ein harter Verdrängungswettbewerb, erläuterte Andreas Hermanutz, einer von drei Geschäftsführern der Wolters Kluwer Software und Service GmbH, die Motive für die Übernahme. Die Nürnberger Datev eG dominiere dieses Segment mit rund 75 Prozent Marktanteil. Allerdings seien längst nicht alle Datev-Kunden zufrieden. Knackpunkte sind aus der Sicht von Hermanutz vor allem die relativ hohen Preise und die mangelnde Innovationskraft. Hier wolle man ansetzen und insbesondere die kommende Generation von technikaffineren Steuerberatern ansprechen.

Will dem Platzhirsch Datev Kunden abjagen: Andreas Hermanutz von Wolters Kluwer
Will dem Platzhirsch Datev Kunden abjagen: Andreas Hermanutz von Wolters Kluwer
Foto: Wolters Kluwer

Mit dem Zukauf von SBS Software verdoppele sich der Marktanteil von Wolters Kluwer im Bereich der Lohn- und Gehaltsabrechnung für Steuerberater in Deutschland auf einen Schlag. Zugleich erhöhe sich auch der Anteil im Markt der Business Software für mittelständische Unternehmen. Mit den Lösungen Addison und SBS versorge man jetzt rund 6.500 deutsche Steuerberatungskanzleien in Deutschland mit Software für die Lohn- Gehaltsabrechnung.

Zum Kaufpreis mochte Hermanutz auf einer Presseveranstaltung in München nichts sagen. Eigenen Angaben zufolge erwirtschaftet SBS mit Sitz im baden-württembergischen Bretten mit rund 100 Mitarbeitern einen Jahresumsatz im "hohen einstelligen Millionenbereich" und arbeite profitabel. Als Softwarehersteller konzentriert sich SBS auf das Rechnungs- und Personalwesen. Mit den Lösungen für die Lohn- und Gehaltsabrechnung "SBS Lohn plus" (HR-Software) und der Rechnungswesen-Lösung "SBS Rewe neo" (Finanz- und Anlagenbuchhaltung, Kostenrechnung) habe man im Laufe der mehr als 40-jährigen Firmengeschichte erhebliche Marktanteile bei Steuerberatern und im Mittelstand gewonnen.

Wolters Kluwer will die SBS-Produkte weiterführen und durch eigene Softwarekomponenten ergänzen. "Wir erschließen hier Synergien und gewinnen dadurch zusätzliche Entwicklungsressourcen, die wir für unsere Neuentwicklungen im Bereich der Cloud-Anwendungen nutzen werden", erläuterte Ralf Gärtner, der als Managing Director Tax & Accounting Germany für alle Aktivitäten von Wolters Kluwer im Bereich Steuern und Rechnungswesen in Deutschland verantwortlich zeichnet. Die SBS Software GmbH soll den Angaben zufolge mit der bestehenden Belegschaft weitergeführt werden, der Standort Bretten bleibe erhalten. Allerdings sind die beiden SBS-Gründer Sepp Brock und Karl-Heinz Schwuchow, die bisher auch Geschäftsführer waren, im Zuge der Übernahme ausgeschieden. Der bisherige Prokurist Markus Sager wurde zum Geschäftsführer der SBS Software GmbH bestellt.

Die Wolters Kluwer Software und Service GmbH mit Sitz in Ludwigsburg beschäftigt rund 450 Mitarbeiter und gehört zum niederländischen Konzern Wolters Kluwer n.V. Dieser bedient die Kernmärkte Recht, Wirtschaft, Steuern, Rechnungswesen, Unternehmens- und Finanzdienstleistungen sowie das Gesundheitswesen.