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TV-Sender wirft indischen Call-Centern Schwarzmarkthandel mit Daten vor

19.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die indische Call-Center-Branche ist in dieser Woche erneut in die Kritik geraten, nachdem der Fernsehsender "Australian Broadcasting Corp." (ABC) darüber berichtet hatte, indische Angestellte hätten Personendaten über einige tausend australische Bürger verkauft. Angeblich gebe es einen regelrechten Schwarzmarkthandel mit Daten. Herausgefunden hat dies ein verdeckt für ABC arbeitender Journalist, dessen Identität der Sender geheim hält. "Im Zusammenhang mit dem Fernsehbericht hat es bislang keine Anzeige bei der indischen Polizei eingegangen", wunderte sich ein Sprecher des indischen IT-Verbands Nasscom (National Association of Software and Service Companies). Nasscom-President Kiran Karnik betonte daraufhin, man verfolge die Vorwürfe und sei an einer schnellen Aufklärung interessiert, um die Reputation der indischen Call-Center-Industrie zu wahren. "Es ist eine unschöne Situation, wenn tatsächlich personenbezogene Daten illegal herumgereicht werden, wie in dem Bericht behauptet."

Zugleich musste der Verband einräumen, dass er keine rechtliche Handhabe gegen einen Call-Center-Mitarbeiter habe, der der britischen Zeitung "The Sun" Mitte Juni Informationen verkauft haben soll. Damit gibt es keine offizielle Anzeige gegen Karan Bahree, der Daten über rund 1000 britische Bankkonten einem ebenfalls verdeckt arbeitenden Reporter übergeben haben soll. Die Londoner Polizei bestätigte zwar, dass sie entsprechenden in der Zeitung veröffentlichten Hinweisen nachgehe, betonte aber auch, dass sie keine juristischen Schritte einleiten werde.

Bahree hat die Behauptungen der britischen Zeitung zwar zurückgewiesen, musste aber zugeben, dem Reporter eine CD übergeben zu haben. Er sei sich der Brisanz der Inhalte aber nicht bewusst gewesen. (jha)