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Tokioter Börse engagiert neuen CIO

26.01.2006
Nach wiederholten Systemproblemen soll es ein neuer Mann richten.

Als Reaktion auf harsche Kritik von Seiten der japanischen Regierung hat die Tokyo Stock Exchange Inc. einen neuen Chief Information Officer (CIO) engagiert: Yoshinori Suzuki wird am 1. Februar seinen Dienst antreten; der 57-jährige hat sein gesamtes bisheriges Arbeitsleben beim Telekommunikationskonzern Nippon Telegraph and Telephone (NTT) beziehungsweise der NTT Data Corp. verbracht. Die zweitgrößte Aktienbörse der Welt benötigt ihn offenbar, um ihre Systeme dem wachsenden Handelsvolumen anzupassen.

Auslöser der Personalentscheidung war ein Vorfall, der sich am Mittwoch, den 19. Januar, ereignete: In den frühen Morgenstunden musste der Handel für 20 Minuten ausgesetzt werden, weil den Börsensystemen infolge der Affäre um das japanische Internetportal Livedoor Co. Ltd. der Kollaps drohte. Über das Wochenende haben die IT-Experten der Börse fieberhaft daran gearbeitet, die Systemkapazität zu erhöhen. Es gelang ihnen auch, das absolute Limit von 4,5 Millionen Handelstransaktionen pro Tag um etwa zehn Prozent, also auf fünf Millionen, hochzuschrauben. Außerdem entwickelten sie Pläne für die Installation eines neuen Clearing-Systems.

Dem Vernehmen nach beabsichtigt das Management der Börse, sieben bis acht Millionen Transaktionen am Tag zu gewährleisten. Ob das notwendig ist oder ob es auf längere Sicht ausreicht, ist nur eine der Fragen, die der neue CIO beantworten soll.

Im vergangenen November war der Tokioter Aktienhandel schon einmal in negative Schlagzeilen geraten, als er aufgrund eines Systemfehlers viereinhalb Stunden lang eingestellt werden musste. Damals hatten sowohl die leitenden Angestellten der Börsenbetreibers als auch die verantwortlichen Manager des Systemlieferanten Fujitsu Siemens ihre Schuld bekannt und als Buße empfindliche Gehaltseinbußen hingenommen (siehe auch "Produkthaftung auf Japanisch"). (qua)