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Terminierung: Telefonanbieter stellen Mobilfunkbetreiber an Pranger

08.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wer vom Festnetz eine Handynummer anruft, muss dafür in Deutschland kräftig zahlen. Doch nur die wenigsten wissen: Nicht bei der T-Com, bei Arcor, HanseNet oder den beliebten Telefondiscountern klingeln die Kassen, sondern bei den Mobilfunkbetreibern. Es geht um die Kosten für die Zustellung eines Telefonats ins Mobilfunknetz, im Fachjargon Terminierung genannt. Diese Entgelte liegen derzeit zwischen 13 und 15 Cent je Minute. Auf diesem Wege sind in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge vom Festnetz in den Mobilfunk geflossen.

Nicht die hohen Preise an sich sind den Festnetzbetreibern ein Dorn im Auge. Was Geschäftsführer und Vorstände auf die Palme bringt, ist der massive Angriff, den Vodafone, E-Plus und & Co auf das Festnetzgeschäft gestartet haben. Sie versuchen, mit einer aggressiven Preispolitik wie 3-Cent-Pakete, über Billigmarken, Sprach- oder Datenflatrates sich vom Festnetzkuchen ein dickes Stück herauszuschneiden. "Das ist ein riesiger Markt", sagt der scheidende Deutschland-Chef von Vodafone, Jürgen von Kuczkowski.

Dabei schlagen die Unternehmen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie suchen angesichts zunehmender Marktsättigung und dem noch schleppenden Datengeschäft neue lukrative Märkte. Gleichzeitig setzen sie auf den allgemeinen Trend unter den Verbrauchern, das Festnetz durch das Handy zu ersetzen. Nach Angaben des Branchenverbandes VATM telefonierten 2004 rund zwei Millionen Menschen auch zu Hause nur noch mit dem Handy. Tendenz: weiter steigend.

Bei Festnetzanbietern stoßen die Avancen der Mobilfunker auf wenig Gegenliebe. "Sie verlangen prohibitive Preise für Gespräche vom Festnetz aufs Handy und subventionieren damit ihre Tarife in umgekehrter Richtung", schimpft der Geschäftsführer NetCologne, Werner Hanf. Ins gleiche Horn bläst der Chef des Bundesverbandes der regionalen und lokalen Telefongesellschaften (Breko), Rainer Lüddemann: "Es kann doch nicht sein, dass wir unseren eigenen Tod subventionieren."

Schützenhilfe erhoffen sich die Telefonfirmen vom Regulierer. Doch der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, spricht nur von einer "moderaten Absenkung". In einem Brief an die Behörde hat sich NetCologne vor wenigen Wochen über "grobe Wettbewerbsverzerrungen" beschwert. Hanf steht mit seinen Klagen nicht allein. "Die Mobilfunker wachsen auf Kosten der Festnetzanbieter", sagt auch HanseNet-Geschäftsführer Harald Rösch. Wenn nichts geschieht, schließt Hanf, "werden wir in einen Wettbewerb getrieben, den wir nicht gewinnen können".

Kurth hat das Problem erkannt. Doch offen ist, wie hart die Eingriffe der Aufsichtsbehörde sein werden. Zunächst wird die EU-Kommission auf Grund vorliegender Marktanalysen auch in anderen Ländern zu dem Thema Stellung nehmen.

Unbestritten ist, die Mobilfunkfirmen besitzen auf ihren Märkten ein Terminierungsmonopol. Breko-Pressesprecher Peter Eggers spricht von einem "Naturschutzreservat Mobilfunk". Ein Gutachten für die Bundesnetzagentur vom April 2005 kommt zu dem Schluss: "Die vier Mobilfunkterminierungsmärkte sind regulierungsbedürftig". Rund ein Viertel der gesamten Umsätze der Mobilfunkkonzerne soll nach Annahmen der Studie auf Terminierung entfallen. Das Volumen dieser Transfers beziffern Experten von 1998 bis 2002 auf insgesamt 6,5 Milliarden Euro.

Wie immer der Streit ausgeht, die Mobilfunkunternehmen müssen sich darauf gefasst machen, dass Regulierungschef Kurth die Zügel künftig anzieht. Erstes Indiz: Angesichts des bevorstehenden Eingriffs verständigten sich die Betreiber gemeinsam mit der T-Com schon einmal vorsorglich bis Ende Dezember 2005 auf ein Absenkung der Entgelte auf 11 bis 12,4 Cent pro Minute. Das ist Lüddemann zu wenig. "Wir gehen ganz klar davon aus: Ein wirklich reeller Preis für die Terminierung liegt irgendwo bei 2 Cent." (dpa/tc)