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Telekom-Vorstand stärkt Sommer den Rücken

12.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Vorstand der Deutschen Telekom hat sich hinter Ron Sommer gestellt. T-Mobile-Chef Kai Uwe Ricke betonte in einer Telefonkonferenz, dass Sommers Strategie von sämtlichen Mitgliedern des Gremiums getragen werde. Auch sein für das Festnetz - und IT-Geschäft verantwortlicher Kollege Joseph Brauner bestätigte, dass innerhalb des Vorstands nicht über einen Führungswechsel nachgedacht werde. In einem offenen Brief von Telekom-Mitarbeitern an die politisch Verantwortlichen, der heute in überregionalen Zeitungen erscheint, sprechen die Unterzeichnenden dem Telekom-Chef ihr Vertrauen aus. Der Brief ist überschrieben mit: "Wenn eines der größten deutschen Unternehmen politischer Spielball wird, nimmt der Standort Deutschland als Ganzes Schaden." Während der Konzernvorstand geschlossen auftritt, sind die Stimmen im 20-köpfigen Aufsichtsrat gespalten. Von Seiten der

Arbeitnehmervertreter sickerte gestern durch, dass diese nur einer internen Lösung für die Sommer-Nachfolge zustimmen wollen. Dabei haben sie auch ihren Wunschkandidaten genannt. Nach Informationen des Nachrichtensenders N-TV sprachen sie sich für Vorstandsmitglied Gerd Tenzer aus. Dieser ist derzeit verantwortlich für Produktion und Technik. Angeblich wollen der Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus sowie Hans Reich, Vorstandschef der Kreditanstalt für Wiederaufbau, Sommer auf jeden Fall ablösen. Dass die Nerven blank liegen beweist auch die Meldung, wonach Aufsichtsratsmitglied Bernhard Walter eine Klage der Telekom droht. Er habe seine Treuepflicht gegenüber dem Unternehmen verletzt und geschäftsschädigende Aussagen zu verantworten. Der frühere Dresdner-Bank-Vorstand soll Berichten zufolge unter anderem von einer Schieflage des Unternehmens gesprochen sowie weiteren Abwertungsbdarf bei den Immobilien festgestellt haben. Er wurde nun von den

Anwälten des Konzerns aufgefordert, verbindlich zu erklären, das solche Aussagen nie gefallen seien. Parallel zur Nachfolge-Debatte sickern aus Unternehmenskreisen immer mehr Nachrichten über gute Zahlen im vergangenen Quartal durch. Laut "Spiegel Online" hat sich das Ergebnis des Konzerns wesentlich verbessert. Auch nach den Worten Rickes waren die Monate April bis Juni das "beste Quartal aller Zeiten". Brauner meldete für das erste Halbjahr ein Umsatzwachstum im Festnetzgeschäft um rund 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Geschäfte der US-Mobilfunktochter Voicestream liefen besser als gedacht, hieß es außerdem. Das Unternehmen konnte die Zahl der Kunden um 500.000 auf acht Millionen erhöhen. Der Abstand zur Konkurrenz ist dennoch weiterhin groß. Der nächstgrößere Anbieter ist Nextel mit 9,2 Millionen Kunden, Marktführer Verizon Wireless verzeichnet knapp 30

Millionen. Gerüchten zufolge steht die Deutsche Telekom im Moment in Fusionsverhandlungen mit dem Mitbewerber AT&T. Zwar wollte Ricke dies nicht bestätigen, räumte jedoch ein, dass derzeit alle Angebote geprüfte werden. Einen endgültigen Ausstieg aus dem US-Geschäft schloss er definitiv aus. (rs)