VATM-Studie zum deutschen TK-Markt

Telekom steigert Festnetzumsatz

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Bei den Breitbandanschlüssen bleibt die Telekom in Deutschland mit über 40 Prozent Marktanteil weiterhin der Platzhirsch. Zu diesem Ergebnis kommt der VATM in seiner 18. TK-Marktanalyse Deutschland 2016. In Sachen Glasfaser ist Deutschland trotz einer Steigerung um 30 Prozent auf 2,7 Millionen Anschlüsse ein Entwicklungsland.
Platzhirsch im deutschen Festnetzmarkt ist die Telekom
Platzhirsch im deutschen Festnetzmarkt ist die Telekom
Foto: VATM/Dialog Consult

Der Gesamtumsatz mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland wird 2016 voraussichtlich mit 60,5 Milliarden Euro leicht steigen (plus 0,5 Milliarden Euro). Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 0,8 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die 18. TK-Marktanalyse Deutschland 2016. Die Studie führt der VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) - in ihm sind zahlreiche Telekom-Konkurrenten zusammengeschlossen - gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Dialog Consult GmbH durch. Besonders bitter für die Telekom-Konkurrenten ist dabei, dass der Bonner Carrier zum dritten Mal in Folge im Festnetzbereich zulegen konnte. "Deutlich um 0,6 Milliarden Euro. Offensichtlich führt unter anderem Vectoring dazu, dass die Telekom auf Kosten der alternativen Anbieter umsatzbezogene Marktanteile zurückgewinnt", kommentierte Torsten Gerpott, Gesellschafter bei Dialog Consult, die Ergebnisse.

Umsatzplus für die Telekom

Die Telekom überholt die Konkurrenz bei den Umsätzen.
Die Telekom überholt die Konkurrenz bei den Umsätzen.
Foto: VATM/Dialog Consult

Während die Telekom ihre Festnetzumsätze von 2013 bis 2016 um 1 Milliarde Euro steigern kann, verlieren die TK-Wettbewerber im gleichen Zeitraum 1,3 Milliarden Euro Umsatz. Die Situation wird sich für den Wettbewerb voraussichtlich weiter verschärfen. Zudem sieht die Studie durch den Vectoring-Einsatz der Telekom und den damit verbundenen Umstieg auf Bitstrom-Angebote die Wettbewerber in einer zunehmenden Abhängigkeit von der Telekom. Zudem werde die Wertschöpfung der Telekom-Konkurrenten abnehmen. So müssen die TK-Wettbewerber beim Einstiegsangebot basierend auf dem Zugang zur entbündelten Teilnehmeranschlussleitung (TAL), der sogenannten letzten Meile zum Kunden, für Internet-Zugänge bereits über die Hälfte des Umsatzes an die Telekom als Mietpreis weiterleiten. Diese Quote würde bei Zugängen auf Basis eines virtuellen Bitstrom-Zugangs auf bis zu 83 Prozent steigen.

Nachholbedarf bei der Glasfaser

Die Player im deutschen Breitband-Business
Die Player im deutschen Breitband-Business
Foto: VATM/Dialog Consult

Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse steigt in diesem Jahr erneut: Sie nimmt um rund 0,5 Millionen auf 31,2 Millionen zu (plus 1,6 Prozent). Etwa 2,7 Millionen Haushalte (plus 590.000) werden in Deutschland Ende 2016 an Glasfasernetze mindestens bis zum Gebäudekeller (FTTB/FTTH) angeschlossen sein - ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Haushalte, die diesen Anschluss auch buchen, legt im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent auf 791.000 zu. Neun von zehn Haushalten, die Ende 2016 einem FTTB/H-Anschluss nutzen, beziehen diese nicht von der Telekom, sondern von einem alternativen Carrier. Die Wettbewerber bauen damit mehr als drei Viertel der Glasfaseranschlüsse bis zum Gebäude (FTTB) oder in die Wohnung (FTTH) in Deutschland. Dementsprechend sieht der VATM sie eindeutig als die Treiber des zukunftsfähigen und nachhaltigen Glasfaserausbaus bis zum Gebäude oder Endkunden. Im internationalen Vergleich gehört Deutschland allerdings immer noch zu den Schlusslichtern beim Glasfaserausbau.

Steigende Internet-Nutzung

Die Technik der Breitbandanschlüsse 2016 in Deutschland
Die Technik der Breitbandanschlüsse 2016 in Deutschland
Foto: VATM/Dialog Consult

Dabei wird in Deutschland immer mehr im Netz gesurft und online recherchiert: Das Gesamtdatenvolumen des Breitband-Internetverkehrs im Festnetz wird um ein Fünftel auf 13,8 Milliarden Gigabyte steigen. Das aus Mobilfunknetzen abgehende Gesamtdatenübertragungsvolumen steigt laut Schätzung um 31 Prozent auf 774 Millionen Gigabyte. 2016 werden die Datendienste 44,7 Prozent (plus 4,7 Prozent) der Mobilfunk-Umsätze ausmachen. Dagegen telefonieren die Deutschen seit 2012 weniger - 2016 sind es insgesamt 940 Millionen Minuten täglich (minus 7 Millionen Minuten pro Tag). Erstmals wird in diesem Jahr weniger via Mobilfunk gesprochen als im Vorjahr (minus 9 Millionen Minuten täglich). Software-basierte OTT-Telefonie-Anwendungen, wie etwa Skype, gewinnen insgesamt weiter an Bedeutung (plus 8,2 Prozent; 2016: 250 Millionen Minuten täglich). Trotz des Vordringens dieser OTT-Telefonie können sinkende Verbindungsminuten aus Festnetzen um 17 Millionen Minuten täglich und abnehmender Sprachverkehr aus Mobilfunknetzen nicht ausgeglichen werden - offensichtlich ersetzen mittlerweile andere Kommunikationsformen die Sprachtelefonie.

TK-Markt wächst

Glasfaser-Anschlüsse sind in Deutschland nur auf niedrigem Niveau verbreitet.
Glasfaser-Anschlüsse sind in Deutschland nur auf niedrigem Niveau verbreitet.
Foto: VATM/Dialog Consult

Einen Anstieg der Festnetzumsätze von 5,2 auf 5,4 Milliarden Euro (plus 3,8 Prozent) verzeichnen die Kabelnetzbetreiber, während die TK-Wettbewerber 0,2 Milliarden Euro Umsatz weniger verbuchen als im Vorjahr (minus 1,4 Prozent). Der Umsatz im Mobilfunkbereich wird leicht um rund 0,1 Milliarden Euro auf 26,4 Milliarden Euro zurückgehen (minus 0,4 Prozent). Für den Rückgang gibt es mehrere Ursachen: Preissenkungen, Tarifoptimierungen der Kunden, Roaming-Umsatzrückgänge und Rückgänge bei den Terminierungsentgelten. Im Mobilfunkbereich erzielen die Wettbewerber einen Umsatz von insgesamt 18,4 Milliarden Euro (plus 0,1 Milliarde Euro), die Telekom 8,0 Milliarden Euro (minus 0,2 Milliarden Euro). Für 2017 rechnet die Studie für den Gesamtmarkt mit einem erneuten Umsatzanstieg im Bereich von 1,5 bis 3,0 Prozent.

Neue Technik für Gigabit-Gesellschaft

Insgesamt sieht VATM-Präsident Martin Witt die Wettbewerbslage dennoch kritisch. Ein Dorn im Auge ist dem Verband vor allem die Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur. Damit habe man ein Quasi-Monopol für die Telekom beim Vectoring im Nahbereich erlaubt. Mit Blick auf die Gigabit-Gesellschaft- im Planungshorizont der EU für 2025 vorgesehen, unterstreich der VATM-Präsident: "Wir brauchen FTTB/H, Kabel mit Docsis 3.1 und die nächste Generation Mobilfunk 5G. Nach Prognosen werden dann 75 Prozent aller Haushalte Bedarf für eine Breitbandanbindung haben, die nicht auf Basis von Kupferleitungen bedient werden kann. Gesellschaft und Wirtschaft benötigen daher flächendeckend leistungsfähige Glasfasernetze bis ins Gebäude."

Die komplette VATM-Studie finden Sie hier.