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Telekom: Kurz vor Zuschlag für Mautsystem

06.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Trotz Absage beim "Herkules"-Projekt der Bundeswehr (Computerwoche online berichtete) kann die Deutsche Telekom womöglich bald mit einen anderen Großauftrag in Milliardenhöhe glänzen. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge will der Bund das Konsortium Toll Collect, an dem der Bonner TK-Konzern und DaimlerChrysler Services beteiligt sind, mit dem Aufbau des geplanten LKW-Maut-Systems in Deutschland beauftragen. Die Wirtschaftszeitung beruft sich dabei auf Gesellschafterkreise des Konkurrenzkonsortiums Ages, dem der britische Mobilfunkanbieter Vodafone sowie Aral und Shell angehören. Ein Sprecher des Konsortiums wies dagegen diese Meldung zurück. Er erklärte, dass Ages nach wie vor gute Chancen habe. Das letzte Wort hat

aber nach wie vor der Bund: Nach Informationen aus Regierungskreisen entscheidet sich das Verkehrsministerium erst in der nächsten Woche, welches Konsortium zu den Schlussverhandlungen eingeladen werde. Die Vertragsunterzeichnung ist für Juli geplant.

Die Bundesregierung will Anfang nächsten Jahres eine streckenbezogene Maut für schwere LKWs auf Autobahnen einführen. Die vollelektronische Abrechnung soll dabei über ein satellitengestütztes System erfolgen. Es empfängt Signale von einer so genannten On Board Unit (Obu), die jeder Lastwagen mit sich führt. Anhand der übermittelten Daten werden anschließend die zurückgelegte Strecke sowie Größe und Schadstoffausstoß des LKW berechnet und die Kosten entsprechend abgebucht. Nach früheren Angaben von DaimlerChrysler Services soll der Betreiber des Systems jährlich rund 600 bis 700 Millionen Euro erhalten. Gleichzeitig besteht bei einem Zuschlag auch eine gute Chance auf entsprechende Anschlussaufträge im europäischen Ausland, wo ähnliche Mautsysteme geplant sind. Da mit dem System LKWs genau geortet werden könnten, wäre auch der Einsatz zum Flotten-Management in Speditionen möglich. (mb)