Glasfaser soll Deutschland fit für Gigabit-Gesellschaft machen

Telekom-Konkurrenten kritisieren Breitbandpolitik der Regierung

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Seit die Vectoring-Pläne der Telekom bekannt sind, sind sich die in ANGA, BUGLAS, BREKO, VATM und FTTH Council organisierten Telekom-Konkurrenten einig wie selten: Unisono kritisieren sie die Breitbandpläne der Regierung und fordern ein echte Gigabit-Strategie.
Auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft führt nach Meinung der Telekom-Konkurrenten kein Weg an der Glasfaser vorbei.
Auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft führt nach Meinung der Telekom-Konkurrenten kein Weg an der Glasfaser vorbei.
Foto: Mnet

Seit die Telekom beim Thema Breitbandausbau primär auf die Vectoring-Technik setzt, wettern die Konkurrenten und ihre Verbände gegen die deutsche Breitbandpolitik. Dabei ist es ihnen vor allem ein Dorn im Auge, dass die Telekom im Zuge der VDSL-Vectoring-Einführung eine Regulierungserleichterung auf der letzten Meile bekommt. In den Augen der Verbände kommt dies einer Re-Monopolisierung der Netze gleich und stellt damit die Erfolge von über 15 Jahren TK-Liberalisierung in Frage. Zudem betrachten viele Experten VDSL-Vectoring nur als eine Zwischenlösung beziehungsweise -krücke, die nicht geeignet ist die Bandbreitenbedürfnisse von IoT, Industrie 4.0, Smart Home, Smart City, Digitalisierung oder Cloud-Computing auf dem Weg in die Gigabitgesellschaft zu befriedigen.

Vectoring ist für viele Verbände lediglich eine Zwischenlösung.
Vectoring ist für viele Verbände lediglich eine Zwischenlösung.
Foto: Deutsche Telekom

Deshalb forderten die fünf Verbände ANGA, BREKO, BUGLAS, VATM und FTTH Council auf dem Breitband-Symposium in Berlin erneut eine Neujustierung der deutschen Breitbandpolitik und beschreiben in dem gemeinsamen Thesenpapier "Der Weg in die Gigabit-Gesellschaft" ihre Vorstellungen eines Breitbandausbaus in Deutschland. Auffallend ist dabei der mittlerweile enge Schulterschluss der fünf Verbände, die sich gerade in der Vergangenheit in Fragen der Regulierung der letzten Meile nicht immer ganz grün waren und sich untereinander auch gerne einmal mangelnde Investitionsbereitschaft vorwarfen. Doch im Zeitalter der Revitalisierung der alten Kupfernetze durch Vectoring und einer drohenden Re-Monopolisierung scheinen diesen Gräben überwunden zu sein.

So warnen die Verbände mit Blick auf die Telekom davor, dass Privilegien und Regulierungserleichterungen oder die Schaffung neuer Monopole in Bereichen des langfristig nicht zukunftsfähigen Kupfernetzes falsche Anreize schaffen würden. "Die Bundesrepublik muss aufpassen, dass sie im internationalen Vergleich nicht den Anschluss verliert", mahnt etwa Hartwig Tauber, Geschäftsführer des FTTH Council Europe. "Andere Länder sind da bereits deutlich besser aufgestellt." Und BUGLAS-Präsident Jens Prautzsch, der einen grundlegenden Neustart der deutschen Breitbandpolitik fordert, legt nach: "Die bisherigen Breitbandziele der Bundesregierung können höchstens als Zubringer zur eigentlichen Datenautobahn der Zukunft angesehen werden." Deshalb dürfe die Ausbauagenda bis 2018 höchstens als Wegmarke verstanden werden, keinesfalls jedoch als Ziel. In einer zukunftsorientierten Breitbandstrategie müsse ein nachhaltiger Netzausbau Vorrang vor Übergangslösungen wie Vectoring haben. Nachhaltig sind dabei für die Verbände letztlich nur Glasfasernetze, da sie für viele moderne Themen der Gigabit-Gesellschaft wie Industrie 4.0, Aufbau der 5G-Mobilfunknetze, E-Health etc. eine unverzichtbare Grundlage bilden. "Zukunftssichere Glasfasernetze in Stadt und Land sichern nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland und spielen bei der Wahrung und dem Ausbau von Wohlstand daher eine entscheidende Schlüsselrolle", bekräftigt etwa BREKO-Präsident Norbert Westfal.