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Telekom-Chef sucht Glück im Ausland - Konzern mit neuem Gesicht

01.03.2007
Drei Monate nach seinem Amtsantritt steht Telekom-Chef René Obermann möglicherweise vor einer der härtesten Auseinandersetzungen in seiner Managerkarriere.

Gewerkschaften und Belegschaft haben ihm wegen der geplanten Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern in eine Service-Gesellschaft den Kampf angesagt. Dabei zeigt der 43-jährige Manager zwar Verständnis für die Sorgen der Beschäftigten, doch er scheut den Konflikt nicht und bleibt in der Sache hart: <3Wir müssen reagieren, sonst laufen wir auf Grund", analysiert er nüchtern die Lage.

Und so verteidigt er seine Pläne gegen die Kritik der Gewerkschaften, die von Lohndrückerei sprechen und gar einen Verkauf von Teilen der neuen Service-Sparte befürchten. Gegenüber den Wettbewerber seien die Kosten bei der Telekom zu hoch, sagt Obermann. Gewerkschafter wie Lothar Schröder von ver.di befürchten dagegen massive Einbußen bei den Löhnen. Knapp fünf Milliarden Euro will die Telekom bis zum Ende der Dekade einsparen.

Nach den Plänen von Obermann soll die Telekom in Deutschland ein neues Gesicht bekommen. Die Mängel im Service sollen beseitigt, die Produktpalette den Kundenansprüchen angepasst und die Markenvielfalt abgeschafft werden. So soll der Kunstname T-Com durch T-Home ersetzt werden. Eine Schlüsselrolle beim Werben um die Kundenschaft räumt Obermann dem Service ein.

"Wir müssen hier besser werden, um unsere höheren Preise zu rechtfertigen", unterstreicht er. Wegen ihrer Kostenbasis werde die Telekom immer teurer bleiben. Für die preisbewussten Kunden will die Telekom im Sommer zudem eine Billigmarke für Mobilfunk und DSL auf den Markt bringen. Mehr verrät Obermann nicht. Experten haben Zweifel am Erfolg der Maßnahmen: "Der Markt ist in vielen Bereichen gesättigt und es herrscht ein starker Preiswettbewerb", sagt Martin Gutberlet von der Marktforschungsgesellschaft Gartner.

Doch Obermann hat kaum Alternativen zu seinen Plänen und muss einen Riesenspagat hinbekommen. Neben den Gewerkschaften sitzen ihm Regulierer, Aktionäre und Konkurrenten im Nacken. Im Inland laufen der Telekom die Kunden in Scharen davon und drücken auf die Gewinne. Selbst der Mobilfunk, einst die Vorzeigesparte des Konzerns, ist in Deutschland durch den Preiskampf unter Druck geraten.

Obermann nennt die Schwachstellen mit Namen und bleibt Realist: Stabilisierung der Lage, lautet sein Minimalziel. Im Klartext: Der Telekom-Vorstand geht davon aus, dass das Unternehmen in diesem Jahr erneut zwei Millionen Kunden im Festnetzgeschäft an die Konkurrenz verlieren wird. "In Deutschland müssen wir uns in den nächsten 15 Monaten auf das Brot- und Butter-Geschäft konzentrieren, räumt T-Com-Chef Timotheus Höttges ein.

Während die Telekom auf dem Heimatmarkt nur langfristig mit einer Erholung rechen kann, will Obermann seinem Unternehmen mit Akquisitionen neue Wachstumsfantasien einhauchen. Ohne diese wird der Aktienkurs auf dem niedrigen Stand kleben bleiben - was den Großaktionären Bund und Blackstone nicht schmecken würde. Um den finanziellen Spielraum zu erweitern, plant Obermann den Verkauf von Beteiligungen und Immobilien. Nach Einschätzung von Analysten könnten hierdurch über zehn Milliarden Euro in die Kassen gespült werden. Das Geld braucht der Konzern. Denn klar ist, ohne einen großen Wurf verliert die Telekom den Anschluss in Europa.

Dort geben andere das Tempo schon vor: Die spanische Telefónica beispielsweise hat sich, auch begünstigt durch tatkräftige Unterstützung ihrer Regierung, als gefräßiger Zukäufer wie unter anderem beim britischen Mobilfunkbetreiber O2 betätigt. Auch auf die Telecom Italia haben die Spanier eine Auge geworfen - und an der hatte sich bekanntlich der frühere Telekom-Chef Ron Sommer vor acht Jahren die Zähne ausgebissen. (dpa/tc)