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SYSTEMS: Systems leidet unter schwacher Konjunktur

16.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Krise der Branche hat auch die Systems erfasst. Über 400 Aussteller haben ihre Teilnahme teilweise kurzfristig abgesagt. Wie viele Besucher unter den aktuellen Bedingungen den Weg nach München finden, mag niemand prognostizieren.

Stornos statt Steigerung: Während die Messeleitung in München im März noch überlegt hat, wie sich mit Hilfe von Zelten mehr Ausstellungsfläche schaffen lässt, kämpft sie nun darum, die Zahl der Absagen so gering wie möglich zu halten. Seit Juli hat es über 400 Stornierungen gegeben. Noch vor einer Woche rechneten die Verantwortlichen mit 2800 teilnehmenden Unternehmen. Nun sind es nur noch 2700, rund 550 weniger als im Vorjahr, die sich auf 147.000 Quadratmetern präsentieren, verglichen mit 158.000 Quadratmetern im Jahr 2000.

"Diese Situation ist für die Messe München bedauerlich", gesteht Joachim Enßlin, Geschäftsführer der Messe München GmbH, ein, "aber die Systems schneidet im Hinblick auf die Marktzahlen und gekürzten Marketing-Budgets noch vergleichsweise gut ab." 17 Prozent weniger Aussteller und sieben Prozent weniger verkaufte Ausstellungsfläche sollten nach Ansicht von Enßlin an den Reduzierungen der Marketing-Budgets um 30 bis 80 Prozent gemessen werden. Auch Bernhard Rohleder, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Branchenverbands Bitkom und Managing Director des European Information Technology Observatory (Eito), beobachtet Etatkürzungen von rund 40 Prozent.

Dem aktuellen Abwärtstrend am Arbeitsmarkt zum Trotz halten die Münchner an ihrem Jobtag fest. Am ersten Messetag sollen Wechselwillige den Weg in die Messehallen finden und sich nach neuen Arbeitsgebern umsehen. Ob diese Veranstaltung ein Erfolg wird, ist fraglich. So sank die Zahl der Stellenangebote nach einer Untersuchung der EMC/Adecco im dritten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr um 58 Prozent. Die freien Plätze für Fach- und Führungskräfte haben sich um 22 Prozent reduziert. Der Bitkom rechnet mit 16.000 neuen Stellen in diesem Jahr - im Vorjahr waren es noch 75.000 zusätzliche Jobs.

Dass sich jedoch auch in diesen Zeiten für eine IT-Messe Möglichkeiten bieten und einzelne Segmente wachsen, ergibt eine eingehendere Analyse der Aussteller. So hat sich die Ausstellungsfläche für den Bereich IT-Sicherheit auf 5500 Quadratmeter verdoppelt. Immerhin 100 Aussteller präsentieren sich hier. Auch mobile Lösungen sind stark vertreten, so dass die Mobile Solutions Area um 40 Prozent auf 1500 Quadratmeter angewachsen ist.

Gebeutelt zeigt sich dagegen die Telekommunikationsbranche, die nach Untersuchungen des Eito im vergangenen Jahr eine Sonderkonjunktur erlebte. Vor allem bei TK-Endgeräten wie Handys legten die Unternehmen im Jahr 2000 um rund 26 Prozent zu - in diesem Jahr wird dagegen mit einem Rückgang um 3,2 Prozent gerechnet. Jedes zweite Handy in Deutschland sei jünger als zwölf Monate, berichtet Rohleder. Er erwartet für 2003 wieder ein deutliches Anziehen des Marktes, der aber im nächsten Jahr noch eher schwach wachsen dürfte. Dementsprechend hatte die Systems im Segment der Telekommunikationsanbieter besonders starke Rückgänge hinzunehmen. Zu den prominenten Absagen gehören der Dienstleister Viag Interkom, der Handy-Hersteller Ericsson sowie der TK-Equipment-Hersteller Cisco.

Das gemischte Bild bei den Anbietern, die gesamtwirtschaftlich unsichere Lage und die zurzeit geringe Reiselust der Entscheider sorgt für extreme Unsicherheit bei den zu erwartenden Besucherzahlen. Messechef Enßlin hofft darauf, dass die Ergebnisse des vergangenen Jahres wieder erreicht werden - eine Prognose will er aber nicht wagen. Im Jahr 2000 fanden fast 150.000 Menschen den Weg auf das Münchner Messegelände.