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"Swatting": Bizarrer Spaß mit falscher Rufnummer

18.10.2007
Ein Jugendlicher hat in den USA ein SWAT-Einsatzkommando der Polizei mittels einer gefälschten Rufnummernübertragung auf eine friedliche Familie gehetzt. Nun drohen ihm 18 Jahre Haft.

Der 19-jährige Randall Ellis aus dem US-Bundesstaat Washington muss für einen "Spaß" teuer bezahlen: Mit Hilfe seines Computers hatte er Ende März bei der Notfallnummer 911 im kalifornischen Orange County angerufen und vorgegeben, er habe einen Menschen getötet und beabsichtige ein weiteres Kapitalverbrechen. Über den Computer konnte er dem TK-System der Polizei eine falsche Rufnummer vorgaukeln, eben von einem Haus in Orange County.

Als Reaktion setzte die lokale Polizei ihr SWAT-Einsatzkommando (SWAT = Special Weapons And Tactics; vergleichbar mit dem deutschen SEK) in Marsch, um den Verbrecher zu überwältigen. Zudem wurden Feuerwehren, Sanitäter, normale Polizisten und ein Hubschrauber auf den Weg geschickt. Am vermeintlichen Tatort, einem Wohnhaus, ging das SWAT-Kommando in Stellung. Im Haus befanden sich ein Mann, seine Frau sowie zwei kleine Kinder. Als der Mann den Lärm hörte, schloss er auf einen "Herumtreiber", und wollte dem Eindringling mit einem Messer entgegentreten. Als er die Hintertür öffnete, blickte er in die Gewehrläufe der Polizisten. Die Situation hätte leicht eskalieren können, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft: "Wir hatten Glück, dass ihn die Polizisten nicht erschossen haben."

Ellis drohen nun bis zu 18 Jahre Haft. Im wird nicht nur vorgeworfen, das Notfallsystem der Polizei getäuscht zu haben. Darüber hinaus zielen die Strafverfolger darauf ab, den Jugendlichen auch so zu verurteilen, als hätte nicht die Polizei, sondern er selbst die Waffe auf den Familienvater gerichtet. Wie es dem Teenager gelang, das Polizeisystem zu täuschen, und wie die Polizei auf seine Fährte gekommen ist, wurde nicht berichtet. An einer technischen Lücke der TK-Software soll es zumindest nicht gelegen haben. Spezielle Fähigkeiten seien jedoch nicht nötig gewesen, berichtete ein Sprecher des Sheriffs von Orange County. Die Polizeiaktion soll rund 18.000 Dollar gekostet haben.

Die Aktion an sich – SWAT-Kommandos per Telefon auf eine falsche Fährte zu locken – ist in den USA nicht neu. Immerhin existiert dafür schon der Terminus "Swatting". In Juni wurden beispielsweise vier Personen in Texas festgenommen, die anderen beigebracht haben sollen, wie man am besten SWAT-Kommandos in die Irre führt. Die Behörden gaben im jüngsten Fall an, dass Ellis insgesamt knapp 200 falsche Anrufe an die Nummer 911 in Kalifornien, Arizona, Washington und Pennsylvania getätigt haben soll. (ajf)