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Studie findet keinen Beleg für Hirntumorrisiko durch Handys

27.01.2006
Das Telefonieren mit dem Handy erhöht nach einer Studie mehrerer deutscher Universitäten nicht das Risiko für Hirntumore.

Im Rahmen der so genannten Interphone-Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei bei Handynutzern in Deutschland insgesamt kein erhöhtes Risiko beobachtet worden, teilte die Universität Bielefeld mit. Eine leicht erhöhte Zahl so genannter Gliome bei Menschen, die seit mindestens seit zehn Jahren mit Handys telefonieren, lasse sich erst im internationalen Vergleich beurteilen. Wegen der geringen Anzahl könne es sich dabei um Zufall handeln. Die deutschen Ergebnisse sollen im März in der Fachzeitschrift "American Journal of Epidemiology" vorgestellt werden.

Die Studie unter dem Dach der WHO wird seit dem Jahr 2000 in 13 Ländern erstellt und von der International Agency for Research on Cancer in Lyon (Frankreich) koordiniert. Zur deutschen Studienregion gehören außer Bielefeld auch Mainz, Heidelberg und Mannheim. Insgesamt wurden seit dem Jahr 2000 in Deutschland 844 Patienten mit einem Hirntumor untersucht und mit 1535 zufällig ausgewählten Kontrollpersonen verglichen.

Wer regelmäßig - also mindestens einmal pro Woche - sein Handy nutzt, hat nach Analyse der Forscher kein erhöhtes Tumorrisiko. Es sei auch kein ansteigendes Risiko mit erhöhter Nutzungsintensität erkannt worden. Selbst bei intensiven Nutzern mit mehr als 30 Minuten Handy-Telefonaten pro Tag habe sich keine erhöhte Krebsgefahr ergeben. Auch eine Häufung von Tumoren in den typischen Handy-Regionen am Kopf sei nicht festzustellen gewesen.

Das gleiche wie für Handys gelte auch für die Strahlung von Schnurlostelefonen und den dazugehörigen Basisstationen. Selbst das Aufstellen der stark strahlenden Basisstationen neben dem Bett habe kein erhöhtes Risiko ergeben. Keine abschließende Aussage lasse sich dagegen treffen über ein möglicherweise leicht erhöhtes Gliom-Risiko für Menschen, die seit zehn Jahren und mehr mit dem Handy telefonieren und in der Regel auch bereits C-Netz-Telefone benutzt hatten. Wegen zu geringer Fallzahlen müssten hier erst die Ergebnisse der internationalen Studien abgewartet werden.

In den dänischen und schwedischen Beiträgen zur Interphone-Studie habe sich kein derartiger Hinweis auf ein mögliches Risiko gezeigt. Dennoch erfordere die Beobachtung Beachtung, weil in der Gruppe mit der längsten Nutzungsdauer ein Risiko auch am plausibelsten wäre, betont die Universität.

Die britische Interphone-Teilstudie war vor kurzem zu dem Ergebnis gekommen, "die Benutzung von Mobiltelefonen, sei es auf kurze oder mittelfristige Sicht, ist nicht mit einem höheren Risiko für Gliome verbunden". In Großbritannien waren 966 Tumorpatienten und 1716 Kontrollpersonen untersucht worden. Auch in Dänemark und Schweden traten ähnliche Ergebnis zu Tage. (dpa/tc)